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Einer der Hauptdarsteller *gg*

Ich hab die Story von mortels Blog, sie hats mir erlaubt (es kommt ja keiner auf ihren Blog *g*). Das kleine Textchen da unten is von ihr, ich trage keinerlei Rechte an dieser Story...
MFG nltog


so jetzt das übliche kleine Textchen:
1. Hanna lebt auch wenn ich das Gegenteil behaupte!
2. Habe ich nix mit Satanisten zu tun
3. Gehören sich The Rasmus nur sich selbst
4. Mia, Jonas, der Meister *harrr* und alle anderen, die meiner kranken Fantasie entsprungen sind gehören MIR! *gg*
5. Weiß ich nicht mehr viel Spaß. Achtung Heulalarm und Altersbeschränkung: AB 14 Jahren


„Geht es ihnen gut?“ fragte Lauri besorgt. Er war auf dem Friedhof beim Grab seiner Schwester Hanna gewesen und wollte gerade zurück zu seinem Auto, als er eine zusammen gekrümmte, weinende Gestalt vor einem Grab sah. Er sah auf den schlichten Grabstein: Ale Hakkarainen. Die Gestalt schreckte auf. Lauri stellte fest, dass es eine Frau war. Sie hatte lange schwarze Haare und blaue Augen, die verweint waren und ihn ängstlich ansahen.
„Geht es ihnen gut?“ wiederholte Lauri noch mal.
„Kann ich ihnen helfen?“ Sie starrte ihn immer noch voller Angst an.
„Nein… schon gut. Danke“ sagte die Frau und lief zügig davon. Lauri blieb verblüfft stehen. Kurz darauf ging er zu seinem Auto und fuhr zur Bandprobe. Den Führerschein hatte er erst nach Hannas Tod gemacht, da er seine Mutter mehr helfen wollte. Diese hatte keinen Führerschein.

„Lauri aufwachen!“ Eero sah ihn besorgt an. Lauri hatte eben zum wiederholten Male seinen Einsatz verpasst. Seine Freunde hatten Angst, dass er sich wieder zurückziehen würde. Er war eine lange Zeit nach Hannas Tod in sich zurückgezogen gewesen.
„Ach was haltet ihr davon für heute mal aufzuhören?“ schlug Aki vor um Lauri zu helfen.
„Mir ist es egal“ murmelte Lauri. Die Anderen beschlossen wirklich aufzuhören und Lauri für heute in Ruhe zu lassen. Als Lauri endlich alleine war seufzte er auf. Er dachte ständig an diese Frau. Irgendetwas in ihren Blick hatte ihn berührt. Vielleicht die Angst? Die Hilflosigkeit? Er wusste es nicht. Lauri fragte sich in welcher Verbindung sie zu diesem Ale stand. Er macht sich Gedanken über sie, obwohl er nicht glaubte, dass er sie jemals wieder sehen würde. Irgendwie machte ihn das traurig. Als er später schlaflos in seinem Bett lag, dachte er immer noch über sie nach. Spät in der Nacht fiel er in einen traumlosen Schlaf. Das war ihm lange nicht mehr passiert. Am nächsten Morgen dachte er gleich wieder an sie. Sie faszinierte ihn.

Am nächsten Tag ging Lauri wieder zum Friedhof. Leider war sie nirgends zu sehen. Enttäuscht ging er davon. So ging es die gesamte nächste Woche, doch er sah sie nie. Er gab die Hoffnung sie jemals wieder zu sehen langsam auf.

Sie war wieder untergetaucht und war in eine neue Wohnung gezogen. Mia fing an zu träumen… es war als würde ein Außenstehender ihre Geschichte erzählen….

Ihre Heimat war in Deutschland, doch dort musste sie weg um ihren einzigen Familienangehörigen und ihre Freunde zu schützen. Sie war als sie weg musste gerade mal 18. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern übernahm ihr großer Bruder Jonas das Sorgerecht für sie. Er war zu dem Zeitpunkt erst 19 und sie 17. Beide passten auf den Anderen auf und so kamen sie einigermaßen über die Runden. Eines Tages lernte Mia in einer Wiesbadener Disco einen Jungen kennen.

Matthias war Satanist, aber da sie selber ein Grufti war, störte es sie nicht. Für sie war Schwarz ein Selbstschutz. Es gefiel ihr. Bald darauf nahm Matthias sie zu einem so genannten Treffen mit. Er stellte sie seinem Meister vor. Mia fand die Umgebung und die beteiligten Personen faszinierend. Leider erkannte Mia die Gefahr nicht und trat in den Orden ein. Sie fand dort neue Freunde und mit Katharina, die im gleichen Alter war, verstand sie sich besonders gut. Bei den Ritualen wurden hauptsächlich Tiere geopfert. Bei den Ritualen verging sich der Meister an den Frauen. Auch an Mia und Katharina. Katharina ging es immer schlechter und eines Tages beging sie Selbstmord. Seitdem ritzte sich Mia regelmäßig und irgendwann wollte sie aus dem Orden austreten, denn sie konnte die Berührungen nicht mehr ertragen. Jonas und seine Freunde, die auch Mias Freunde waren, machten sich große Sorgen um sie. Sie hatten Angst um sie und fanden es gut, dass sie aussteigen wollte.

Mia ging nicht mehr zu den Ritualen. Sie blieb in der Wohnung und hielt sich versteckt. Im Orden versuchte Matthias sie vergeblich zu decken. Der Meister beschloss sie zur Vernunft zu bringen, denn sie war eine Gefahr für den Orden. Sie wusste einfach zu viel. Er beschloss sie zu besuchen und wenn nötig gewaltsam zum Schweigen bringen.

Mia saß mit Jonas und ihrem gemeinsamen Freund Marcel im Wohnzimmer, als es an der Tür klingelte. Jonas ging zur Tür und öffnete. Er erkannte den Meister nicht, denn er war zivil gekleidet. Mia ging mit ihm in die Küche und schloss die Tür hinter sich.

„was willst du?“ fragte sie kühl.
„dich mitnehmen“
„ich bin draußen“
„das entscheide immer noch ICH“
„Das kannst du mit den Anderen machen, aber nicht mit mir“ kam die böse Antwort von Mia. Der Meister sah sie nachdenklich an.
„Du hast Recht. Mia, du warst schon immer anders als die Anderen, aber du hast eine große Schwachstelle: DU hast immer noch Mitleid und Gefühle. Wut, Angst, Ekel. Denkst du ich würde nicht merken, dass es dich immer große Überwindung gekostet hat bei den Ritualen mitzumachen? Ich habe auch gesehen, wie du dich geekelt hast, als ich dich berührte“ sagte der Meister und berührte sie an der Wange. Mia wich zurück.
„Ich steige trotzdem aus“ antwortete Mia mit fester Stimme.
„DAS ist ein Fehler“
„Ein Fehler?! Ist es richtig, wenn man Frauen vergewaltigt, Tiere abschlachtet und Menschen in den Abgrund treibt? DAS ist ein Fehler“ schrie Mia.
„Ich werde dich nie gehen lassen hörst du? Nie“ knurrte der Meister.
„Geh! Verschwinde!“ knurrte Mia.
„das wirst du bitter bereuen“ sagte er und verschwand so schnell wie er gekommen war. Mia ging ins Wohnzimmer.
„Was hast du bloß gemacht?“ fragte Jonas sie leise.
„Ich hab ziemliche Scheiße gebaut“ Mia seufzte.
„Ich muss hier weg. Ich darf nicht in eurer Nähe sein, wenn sie kommen“ fuhr sie fort.
„Wieso?“
„sie werden euch wehtun! Sie wollen mich umbringen… ich will nicht, dass euch was passiert“ erklärte sie und verschwand in ihrem Zimmer. Dort packte sie alles zusammen.

„Mia du darfst nicht gehen!! Du kannst nicht einfach…“ fing Jonas an, der ihr gefolgt war. Marcel stand in der Tür.
„Bitte versteht doch… ich muss weg“ sagte Mia leise. Tränen traten ihr in die Augen.
„Er wird sich rächen. Der Orden wird sich rächen. Ihr seid in Gefahr, wenn ich hier bleibe“ erklärte sie weinend.
„Mia…“ Jonas schloss sie weinend in seine Arme. „du bist doch die Einzigste die ich noch habe…“
„es tut mir leid… ich werde mich melden… versprochen. Bitte pass auf dich auf“ sagte Mia traurig. Sie schulterte ihren Rucksack und nahm ihre Reisetasche.
„ich werde euch nie vergessen, hört ihr NIE. Ich liebe euch“ sagte sie noch und verschwand. In Helsinki wachte Mia schweißgebadet auf.

„wieso kann das nicht aufhören?? Wieso träume ich jede Nacht das Gleiche….“ Murmelte sie verzweifelt. Sie sah auf das Foto neben dem Bett. „ach Ale… wieso bist du nicht mehr hier?“ sie wusste ganz genau, warum er nicht mehr hier war. Er wurde umgebracht. Wegen ihr. Wegen seiner Liebe zu ihr. Sie hatten ihn auf offener Straße überfahren. Einfach so. Ohne jegliches Motiv. Alles nur wegen ihr. Mia gab sich die Schuld und verachtete sich. Jede Nacht weinte sie deshalb. Wie auch jetzt.

Sie ging in die Küche. Die neue Wohnung war ihr noch fremd und so stieß sie gegen einen Stuhl. Der Schmerz schoss ihr durch Mark und Bein, doch sie genoss es. Sie wollte leiden. Wollte Schmerzen haben. Mia setze sich hin und als der Schmerz nachließ, nahm sie sich die messerscharfe Tellerscherbe. Die Scherbe war eins der wenigen Dinge, die noch aus Deutschland stammten. Sie wusste nicht, warum sie die Scherbe aufhob. Mia spürte den Druck in ihr. Sie nahm die Scherbe und drückte sie auf ihren Arm. Schmerz Mia seufzte auf. Endlich. Blut. Der Druck ließ nach. Sie ließ sie zurück sinken. Endlich wusste sie, dass sie noch lebte. Sie konnte sich wieder fühlen. Sie wollte bluten. Wollte leiden für das was sie sich selbst und ihrer Familie angetan hatten. Sie hasste es nicht gesehen zu werden. Die Leute sahen sie an, sahen sie aber nicht wirklich. Mia weinte immer noch.
„Warum kann ich es nicht einfach rückgängig machen?! Warum bin ich nicht gestorben? Warum er?“ schluchzte sie.

Mia hatte sich nach den Mord lange nicht aus der Wohnung getraut. Zu groß waren die Angst und der Schock. Seit Ales Tod wusste sie, dass sie nie glücklich werden würde. Der Orden würde ihr jedes Glück wieder nehmen. Irgendwann ging sie dann doch zum Grab, obwohl sie Angst hatte. Entdeckt zu werden. Die ganze Zeit hatte sie sich nervös umgeschaut. Sie brachte Ale eine rote Rose. Als sie anfing zu weinen und alle Vorsicht vergaß, kam dieser Mann und sie war so verblüfft, dass jemand Besorgnis zeigte, so dass sie weglief.

„Warum setzte ich nicht allem ein Ende?“ sie sah die Scherbe an.
„diese Faszination…“ murmelte Mia und nahm sie in die Hand. Sie betrachtete sie von allen Seiten… „was hat es denn noch für einen Zweck, dass ich hier bin?“ sagte sie verzweifelt zu sich selbst. Sie setzte die Scherbe an ihr Handgelenk. Gerade als sie zudrücken wollte erschien bei ihr im Kopf das Bild von dem Mann auf den Friedhof. Obwohl Mia kurz vorm Zudrücken war, erinnerte sie sich an sein besorgtes Gesicht. Die Verzweiflung lies nach und sie legte die Scherbe auf den Tisch. „noch nicht mal dazu bist du fähig!“ ärgerte sie sich selbst. Sie fing wieder einmal an sich selbst zu schlagen und zu kratzen. Mia brauchte das genauso wie die Scherbe. Der Orden und die Angst hatten sie kaputt gemacht. Zu Hause hatte sie sich nie mehr gemeldet. Sie wusste dass sie es bald tun musste.

Mia konnte den Mann nicht vergessen. Genauso ging es Lauri. Heute Abend hatte er ein Konzert in Helsinki.

Mia musste heute einkaufen. Da sie das Vermögen von Ale geerbt hatte, hatte sie keine Geldsorgen. Nachdem sie die große Menge an Lebensmitteln und anderen Sachen in Tüten gepackt hatte wurde sie von einem Mädchen angequatscht.
„Willst du eine Konzertkarte für The Rasmus? Du siehst aus, als ob du ein bisschen Abwechslung gebrauchen könntest und ich habe heute meinen sozialen Tag. Also willst du eine?“ Mia war so perplex vor so viel Freundlichkeit, dass sie die Karte annahm. Mit guter Laune lief sie nach Hause. Sie dachte noch nicht einmal daran, dass die geschenkte Karte auch eine Falle sein könnte.

Um 8 Uhr stand sie vor der Halle in der wartenden Menge. Sie kannte The Rasmus überhaupt nicht und sie blickte sich um. Ihr Blick blieb an einem Plakat hängen.
„das muss wohl die Band sein“ murmelte sie und riss verblüfft die Augen auf. Lauri Ylönen das war der Mann vom Friedhof. Voller Erwartungen ging sie in die Konzerthalle. Sie sah den Mann nicht, der ihr in der Masse unauffällig folgte.

Mia genoss das Konzert in vollen Zügen. Lauris Stimme nahm ihr jede Angst. Wider Erwarten gefiel dem Meister auch das Konzert, doch er hatte die ganze Zeit Mia im Auge. Er wollte sie besitzen. In ihr sein, mehr als alle Jahre zuvor. Er wusste nicht wieso, aber sie faszinierte ihn.

Nach dem Konzert wollte Lauri sofort nach Hause laufen. Doch die Anderen hielten ihn noch für eine Weile auf. Außerdem verstanden sie nicht, warum er unbedingt laufen wollte.

Mia drängte sich Richtung Ausgang.
„scheiße wo ist sie hin??!“ knurrte ihr Verfolger. Mia war in einer Menschenmasse verschwunden und bog in eine Gasse ein. Bei der Konzerthalle beschloss der Meister auf gutes Glück Richtung ihre Wohnung zu gehen.

Mittlerweile machte sich auch Lauri durch die ruhigen Gassen auf den Weg nach Hause. Der größte Teil der Fans war mit dem Auto gekommen, deshalb war alles um ihn herum still.

Mia ging schnellen Schrittes die Gasse entlang. Auf einmal hörte sie Schritte. Sie bekam wieder Angst und lief schneller. Als die Schritte immer näher kamen, versteckte sie sich in einem Hauseingang. Mia hielt den Atem an. „bitte nicht“ dachte sie ängstlich. Sie spürte wie das Adrenalin durch ihre Adern rauschte. Mia hörte ihr Herz pochen und als sie die Person sah, dachte sie, dass sie ohnmächtig würde. Sie presste sich gegen die Wand und hoffte nicht entdeckt zu werden.

„Also das Konzert war wirklich richtig geil… Lauri ist so genial… ja klar Aki auch…“ die Frau telefonierte und bemerkte Mia nicht. Diese atmete auf. Sie fing hysterisch über ihre Paranoia zu lachen und wollte gerade weiter gehen als eine ihr sehr bekannte Stimme ertönte.

„Endlich habe ich dich wieder“ schnurrte ihre Quelle der Angst. „weißt du ich habe dich vermisst.“ Mia schluckte laut. „Du hast Angst nicht wahr? Wo ist denn dein jetzt platter Freund Ale? Ich musste ihn aus dem Weg räumen, weil du mir ganz alleine gehörst.“
„Ich gehöre dir nicht“ flüsterte Mia
„Natürlich tust du das. Du gibt’s mir das, was keine Andere mir bis jetzt geben konnte“ er streichelte ihre Wange. „Nein lass das“ mitten in seinen Bewegungen hielt er inne.
„Du bist immer noch wie in Deutschland. Immer noch so störrisch.“ Er packte sie fest an den Arm. Mia gingen die Nerven durch. „LASS MICH LOS!!!“ schrie sie. Dafür bekam sie eine saftige Ohrfeige. Ihr wurde kurz schwarz vor den Augen.
„siehst du es geht doch“ murmelte der Meister und machte den Reißverschluss ihrer Jacke auf. Mia hielt still. Als er jedoch seine Hose öffnete, zog sie ihr Knie blitzschnell nach oben und rannte aus dem Hauseingang.

„Na nu, was ist denn da vorne los?“ murmelte Lauri.

„Du verdammte Schlampe“ brüllte der Meister. Er hatte sich schnell wieder gefangen und holte Mia ein. Sie schlug mit dem Kopf gegen die Wand. Mia schmeckte Blut und ihr Kopf dröhnte. Trotz der Schmerzen versuchte sie ihn von sich zu stoßen, doch sie hatte nicht mit seiner Kraft gerechnet. „Ich-lasse-dich-nie-gehen“ schrie er bitterböse und schüttelte sie.

„Lass sie los du Arsch“ knurrte auf einmal jemand hinter ihm. Der drehte sich um und bekam gleich einen Kinnhaken. Der ‚Gepeinigte’ versuchte daraufhin auch Lauri eine zu verpassen, doch der wich geschickt aus und der Meister bekam gleich noch Eine. Dieser verzog sich dann. „Ich komme wieder“ knurrte er noch Mia an. Diese ging kraftlos zu Boden. Sie fühlte sich, als ob ihr Kopf gleich zerspringen würde.

„Hey nicht ohnmächtig werden! Hören sie? Bleiben sie hier“ Lauri schüttelte sie leicht, doch Mia rutsche immer mehr in die Bewusstlosigkeit.
„Scheiße, scheiße, scheiße ich bringe sie ins Krankenhaus“
“Nein kein Krankenhaus. Bitte kein Krankenhaus…“ murmelte Mia panisch. Sie wusste selbst nicht wieso, aber in ein Krankenhaus wollte sie auf keinen Fall. Dann wurde Mia endgültig ohnmächtig.

Lauri brachte sie in seine Wohnung und rief einen Arzt. Der stellte fest, dass sie eine Gehirnerschütterung hatte. Beim Pulsmessen hatte er die vielen Narben und blaue Flecken gesehen, aber er hatte sie gegenüber Lauri nicht erwähnt. Mia sollte eine Woche ruhig liegen bleiben.

Lauri betrachtete die schlafende Frau genauer und er erkannte sie wieder.
„Was hast du für ein Geheimnis?“ murmelte er und beschloss dem bald auf den Grund zu gehen. Er ging in sein Schlafzimmer und holte ein T-Shirt für sie. Als er ihre nackten Arme sah, stockte ihm der Atem. „warst du das selbst? Oder wer anders? Vielleicht dieser Mann?“ fragte er sie, doch da sie schlief erhielt er keine Antwort. Er deckte sie sanft zu und schwor sich, dass ihr, solange sie bei ihm war, nichts passieren würde. Kurz darauf ging Lauri ins Bett. Er ließ die Tür offen, damit er, wenn irgendwas wäre, gleich zur Stelle sein könnte.

„Nein… lasst mich… bitte… lass mich los… nicht Ale…“ Mia schrie wie so oft im Schlaf. Lauri schreckte auf. Mia weinte im Schlaf. „bitte nimmt mich, aber nicht Ale… warum er?? Ich bin doch schuld. Ich allein“ murmelte sie und schluchzte. Lauri verstand jedes Wort und versuchte sie zu wecken. Mia blickte ihn verwirrt an.

„Wo bin ich?“ fragte sie und zog die Decke schützend um sich. „Du bist in meiner Wohnung. Ich bin übrigens Lauri“ antwortete Lauri freundlich. Mias Nervosität ließ nach. Sie sah ihn an.
„Ich bin Mia… Mia Schmidt“
„Schmidt? Der Name hört sich nicht Finnisch an“ wunderte sich Lauri und setzte sich an das Fußende des Sofas.
“Ich weiß. Ich komme aus Deutschland und wohne seit 2 Jahren hier in Finnland.“
„aha… wieso bist du aus Deutschland weg? Du siehst noch sehr jung aus… ich wunder mich bloß“ fragte Lauri.
„Ich bin 20… Ich hatte meine Gründe aus Wiesbaden zu verschwinden. Es ist besser wenn du sie nicht weißt.“
„Okay… wenn wir schon mal wach sind, willst du was trinken?“
„ja bitte.“ Lauri brachte ihr ein Glas Selters. Sie trank es schnell aus.
„Ich war auf deinem Konzert. Es war gut.“
„danke“ sagte Lauri strahlend. „kannst du dich noch an den Friedhof erinnern?“ fragte er vorsichtig.
„Ja… da hab ich dich das erste Mal gesehen“ antwortete Mia lächelnd. Sie fühlte sich bei ihm pudelwohl. Lauri gähnte.
„du solltest auch noch ein bisschen schlafen Mia. Du hast eine Gehirnerschütterung. Wer war überhaupt der Mann?“
„alter Bekannter aus Deutschland… nicht der Rede wert.“ Antwortete Mia. Um so weniger er weiß, um so weniger ist er in Gefahr… dachte sie und schwieg.
„mmh.. ja dann schlaf mal besser als vorhin. Du hast im Schlaf geschrieen.“ Sagte Lauri und berührte sie kurz an der Schulter. Mia zuckte zusammen. Sie hatte Angst von Männern berührt zu werden. Bei Ale hatte sie sehr lange gebraucht um sich daran zu gewöhnen. Lauri verschwand im Schlafzimmer. Mia legte sich wieder hin. Währenddessen kam Lauri ins Grübeln:
Warum ist sie aus Deutschland weg? Irgendwas Schlimmes muss dort passiert sein. Lauri legte sich aufs Bett und starrte an die Decke. Er machte sich noch lange über sie Gedanken und schlief dabei erschöpft ein. Darauf hatte Mia nur gewartet. Sie stand auf, schwankte kurz und versuchte die rasenden Kopfschmerzen zu ignorieren. Sie fand einen Zettel und einen Stift in der Küche und schrieb Lauri eine kurze Nachricht:

Lieber Lauri,
Danke dass du mich vor dem Meister gerettet hast. Er hätte mir wieder sehr wehgetan. Es ist besser, wenn ich aus deiner Wohnung verschwinde, denn es würde Dich nur in Gefahr bringen. Glaube mir es ist das Beste.

Danke für deine Hilfe.

Mia

Sie legte den Zettel auf den Küchentisch und verschwand.

Am nächsten Morgen fand Lauri ein leeres Sofa vor. Er ging verwundert in die Küche und fand ihren Zettel.
„scheiße“ murmelte er… was sie wohl mit Gefahr und Meister meint? Fragte er sich beim Frühstück. Nach dem Frühstück machte er sich in Gedanken auf den Weg zur Probe. Das Auto lies er stehen, da schönes Wetter war.

Mia hatte sich wieder in ihrer Wohnung verschanzt. Das Erlebnis der letzten Nacht hatten ihr wieder einmal gezeigt, dass sie in Helsinki nicht sicher war, aber sie liebte diese Stadt sehr. Da ihr Kopf immer noch wehtat, legte sie sich ins Bett. Dort dachte sie voller Wehmut an zu Hause. Wie gerne würde sie wieder Jonas’ Stimme hören, ihn umarmen, einfach ansehen. Doch es ging nicht.

Bei der Probe konzentrierte Lauri sich voll auf die Musik. Danach ging jeder nach Hause.

Wochenlang ging Mia nur raus, wenn es unbedingt nötig war. Eines Tages ging sie wieder auf den Friedhof. Sie setzte sich vor Ale’s Grab und dachte nach. Über Lauri. Er war so nett zu ihr gewesen. Ich würde ihn gerne wieder sehen, aber ich kann es nicht verantworten. Dachte Mia und seufzte.

Der Meister war wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Die Begegnung mit ihr würde seine Sehnsucht nach ihr eine Weile stillen. Dann würde er wieder zu ihr gehen.

„Hallo Mia“ begrüßte Lauri sie auf den Friedhof.
„Lauri was machst du denn hier?“ Mia stand auf.
„Ich habe meine Schwester Hanna besucht. Sie hatte Anfang des Jahres einen tödlichen Autounfall“ erzählte Lauri ihr. Auch er vertraute Mia auf Anhieb.
„Das tut mir Leid…“ sagte Mia leise.
“Danke wie geht es dir? Gehirnerschütterung gut überstanden und warum bist du so plötzlich verschwunden?“ überschüttete er sie mit seinen Fragen.
„Mir geht es eigentlich ganz gut. Ich hatte meine Gründe damals Lauri.“ Antwortete sie leise. Lauri sah sie mit seinen grünen Augen prüfend an. Mia zog ihre T-Shirtärmel tiefer, doch Lauri hatte die frischen Schnitte schon gesehen.
„du willst mir nicht sagen wieso du das machst oder?“ fragte er sanft. Sie schüttelte den Kopf.
„Willst du einen Kaffee? Ich lade dich auch ein“ lenkte Lauri vom Thema ab. Wenn sie es ihm sagen wollte, würde sie es auch tun. Mia zögerte einen kurzen Moment, doch als sie in seine freundlichen Augen sah, stimmte sie zu.

Im Café verstanden sie sich wunderbar. Mia legte alle Vorsicht bei Seite und war so wie sie in Deutschland gewesen war, bevor sie Matthias kennen gelernt hatte. Lauri fand sie immer faszinierender. Sie hatte so viele Seiten. Ihr Geheimnis würde er auch noch herausfinden. Sie saßen bis in die späten Abendstunden in dem Café.

„Komm, ich bringe dich nach Hause“ bot Lauri Mia an.
„Danke, aber das ist nicht nötig“ Mia wollte nicht, dass Lauri sah, in welch schäbiger Gegend sie wohnte.
„Doch! Ich bringe dich heim und damit basta“ bestimmte Lauri daraufhin. Beim Gehen schwieg Mia. Ihre Freude war verflogen. Außerdem war ihr kalt. Sie hatte keine dicke Jacke mitgenommen.
„Ist dir kalt?“ fragte Lauri besorgt. Mia sah ihn einen kurzen Moment an und nickte dann. Lauri gab ihr seine Jacke. Sie war ihr viel zu groß. Lauri lachte leise. Er steckte sie mit seinen Lachen an, so dass mitlachte.
„ Du siehst süß darin aus“ sagte Lauri als sie sich beruhigt hatten.
„findest du?“ Mia wollte es nicht glauben.
„wenn ich es doch sage“ antworte er und drehte eine Haarsträhne um seinen Finger. Mia hielt den Atem an. Lauri spürte, dass sie sich verkrampfte und ließ die Haarsträhne los. Dafür nahm er ihre eiskalte Hand. Sie spürte seine Wärme und sie gingen weiter. Er wunderte sich über ihre Wohngegend, sagte aber nichts weiter.

Bei dem Haus, in dem ihre kleine Wohnung war, holte Mia ihren Schlüssel heraus.
„du kannst mich jetzt hier alleine lassen. Den restlichen Weg finde ich alleine“ sagte sie lächelnd zu ihm.
„Okay… sehen wir uns wieder?“ fragte Lauri Mia.
„Lauri…“ fing Mia an.
„Mia was ist los? Habe ich dir irgendwas getan? Warum blockst du immer ab?“ fragte Lauri verwirrt.
„Ich weiß nicht…“
„Ist es wegen dem Mann?“ bohrte Lauri weiter.
„Auch. Es hat etwas mit meiner Vergangenheit in Deutschland zu tun und auch mit denen in Finnland. Bitte Lauri, es ist besser, wenn wir uns nicht mehr sehen“ Lauri sah sie schweigend an. Man konnte sehen, wie schwer es ihm fiel es zu akzeptieren.
„Mia hör zu, es hört sich vielleicht unglaubwürdig an, aber ich mag dich. Sehr sogar.“ Er sah sie eindringlich an.
„Lauri bitte…“
„Nix Lauri bitte…“ er fasste sie an beiden Armen. „Wieso lässt du es nicht zu?“
„Bitte… du würdest es nicht verstehen. Lass mich bitte los.“ Mia sah ihn an. Lauri ließ sie widerwillig los. Mia ging zur Haustür, drehte sich noch einmal kurz um und verschwand darin. Lauri seufzte auf und ging traurig und in Gedanken versunken nach Hause. Er beschloss mehr über sie herauszufinden. Wieso wäre er denn sonst VIP?

Oben an der Wohnungstür schrie Mia erstickt auf. Ich sehe dich! Du Satanstochter! Mia sah das Grafitti an.
„Nein….“ Murmelte sie und blieb zitternd stehen. Leise schloss sie die Wohnungstür auf. Als sie sich vergewissert hatte, dass sie allein war, beschloss sie für eine Zeit aus ihrem geliebten Helsinki zu verschwinden. Irgendwo aufs Land, wo sie niemand so schnell finden würde. Mal wieder fing sie an zu packen.

Auf den Weg zum Bahnhof machte sie einen Umweg zu Lauris Wohnung. Sie wusste nicht wieso, aber sie hatte ihm noch einmal eine Nachricht geschrieben. Sie hinterließ sie im Briefkasten und ging dann weiter. Auch sie empfand etwas für ihn, unterdrückte es jedoch tapfer.

Am nächsten Tag kam sie in einem kleinen Dorf im Norden Finnlands an. Sie mietete sich ein kleines Zimmer bei einem Bauernehepaar. Als sie gerade auspackte, fing Lauri an ihre Nachricht zu lesen.

Lieber Lauri,

Ich wunder mich selbst, warum ich Dir schreibe, obwohl ich dir gestern gesagt habe, dass es mit uns keinen Zweck hat. Ich hatte in Deutschland einen schlimmen Fehler gemacht, der mich zwang dort zu verschwinden. Auch hier holt mich meine Vergangenheit ein. Wenn du dies liest, bin ich hunderte von Kilometern von dir entfernt in einem kleinen Dorf. Ich hoffe, dass sie dich in Ruhe lassen, wenn ich nur weit genug von dir entfernt bin. Ich bringe Unglück Lauri, wegen mir ist ein Mensch gestorben und ich habe meinen Bruder verlassen. Egal was ich mache, es tut immer anderen weh.

Danke für die schönen Stunden mit dir. Es waren die Ersten seit langer Zeit, in denen ich glücklich war und mich wohl fühlte. Du wirst wahrscheinlich nie verstehen, warum ich schon wieder wegrenne, aber ich muss es tun. Ich liebe dich so sehr. Ich weiß nicht, wieso ich weiß, dass ich dich liebe, obwohl ich dich erst so kurze Zeit kenne, aber ich fühle mich so mit dir verbunden. Ich habe panische Angst dich zu verlieren, doch gleichzeitig muss ich dich verlassen. Ich weiß, dass ich mich damit zerstöre. Ich tue es wegen dir. Für dein Leben, für das ich mein Herz endgültig zerstöre. Bitte versuch mich zu vergessen. Such nicht nach mir.

Mia


Lauri rieb sich über die Augen. Er konnte und wollte sie nicht vergessen und er beschloss noch heute mit den Nachforschungen anzufangen. Bei der Zeitung fing er an. Dort fragte er unter falschen Namen nach einem Ale Hakkarainen und er wurde fündig. Er ließ sich die entsprechenden Artikel zufaxen.

Mann überfahren 17.12.2003

Am 16.12.2003 wurde in Helsinkis Innenstadt der 23jährige Ale Hakkarainen überfahren. Die Polizei geht von einem Verbrechen aus. Da das Opfer jedoch keinerlei Feinde hatte, bittet die Polizei um Mithilfe.





Neues im Fall Hakkarainen 20.12.2003

Die Polizei hat neue Hinweise. Der zuständige Kriminalinspektor geht von einem Racheakt aus. Die 20jährige Lebensgefährtin hatte eine Art Bekennerschreiben von einer satanistischen Gruppe bekommen. Sie wird derzeit vernommen.

Lauri starrte die Artikel an. „Das meinte sie also damit, als sie sagte, dass sie nicht wolle, dass mir etwas passiert“ murmelte er vor sich hin. Er beschloss seinen Kumpel in Deutschland anzurufen, damit er etwas über ihre Zeit in Deutschland herausfinden konnte.

Er erfuhr, dass sie dort noch einen Bruder hatte. Ihre Eltern waren tot. Als sie 17 war, hatte sie eine Beziehung mit einem Jungen begonnen, der in einer satanistischen Gruppe war. Dort ist sie dann eingetreten. Nachdem eine Freundin Selbstmord begangen hatte, wollte sie austreten. Der Orden ließ es jedoch nicht zu und so musste sie aus Deutschland weg, um ihren Bruder und Freunde zu schützen. Ihr derzeitiger Aufenthaltsort ist in Deutschland unbekannt.

„Arme Mia….“ Murmelte Lauri. Jetzt verstand er ihre Vorsicht und die Angst, die sie offensichtlich hatte bzw. hat. Damit der Orden ihm und ihr nichts antut ist sie aus Helsinki verschwunden.

“Ich habe sie verloren. Ich habe den Menschen gehen lassen, den ich liebe!“ die Erkenntnis traf Lauri hart.

Abends las er noch mal ihren Brief. Er war so traurig. Lauri fühlte sich, als ob ihm jemand ein Messer in das Herz gerammt hätte.
Es ist ihr Abschiedsbrief an mich dachte er traurig und vergrub das Gesicht in den Kissen. Er trauerte um einen Menschen, der gar nicht gestorben war, aber trotzdem aus seinem Leben verschwunden war.
„Ich werde sie nie wieder sehen“ sagte er in die Kissen und fing an zu weinen. Lauri weinte um seine große Liebe, die noch gar nicht richtig angefangen hatte.

3 Wochen später.

Heute war Lauris Geburtstag. Er konnte sich gar nicht richtig freuen. Es war sein erster Geburtstag ohne Hanna. Mit Mia würde er wohl nie einen feiern. Er hatte massenhaft Geschenke von Fans bekommen, die er jetzt persönlich auspackte. Abends wollte er eine Party geben.

Mia las gerade eine Zeitschrift.

Lauri Ylönen hat am 23.4.04 Geburtstag!

Es war nur eine kleine Randnotiz, aber Mia übersah sie nicht.
Geburtstag… er hat heute Geburtstag… dachte sie und vergrub ihr Gesicht, wie zuvor Lauri, in den Kissen. Ein Winseln ertönte.
„Hey Wuschel….“ Wuschel war ein Welpe von der Hofshündin und er hat von Anfang an Mia am Rockzipfel gehangen. Mittlerweile war er ein bisschen der Ersatz für Lauri in den einsamen und kalten Nächten. Dieser kuschelte sich an sie und Mia spürte die Wärme an ihrem eiskalten Körper.
„Ach Wuschel… warum läuft alles so schief in meinem Leben?“ Der Mischling schleckte ihr über die Hand. Abends als sie ihn fütterte, fiel ihr Blick auf den Fotoapparat der Bäuerin.
„Süßer ich habe eine Idee!“ Mia nahm die Kamera und postierte sie so, so dass sie und Wuschel gut im Bild waren. Sie drückte auf den Selbstauslöser. KNIPPS Sie wedelte mit dem Foto rum, bis etwas zu erkennen war. Mia betrachtete es. Sie sah wider Erwarten glücklich aus, denn sie lächelte. Beide (der Hund und sie) gingen wieder in ihr Zimmer.

Das Foto war für Lauri. Die Bäuerin wollte morgen nach Helsinki, da konnte diese das Foto bei Lauri in den Briefkasten stecken. Mal wieder wusste sie nicht, warum sie ihm unbedingt ein Geschenk machen wollte, doch ihr Herz wusste, dass sie es aus Liebe wollte. Jedoch begriff es ihr Kopf nicht. Bald darauf schlief sie mit Wuschel in den Armen ein.

Am Morgen nach der Party holte Lauri total verschlafen die Post herein. Sofort fiel ihm ein Foto ohne Umschlag auf. Ihm stockte der Atem, als er erkannte, wer auf dem Foto war.

„Mia….“ Murmelte er und strich über das Foto. Auf den ersten Blick sah sie glücklich aus, doch Lauri wurde bald klar, dass es nur Fassade war. Ihr Gesicht lächelte, doch ihre Augen sahen ihn traurig an. Vielleicht auch sehnsüchtig. Er verfiel wieder in seiner Sehnsucht nach ihr. Ca 200 km entfernt von Helsinki ging es Mia genauso. Ihr war wieder einmal kalt und sie sehnte sich nach seiner Wärme. Sie erinnerte sich an den Abend, als er ihre Hand nahm und wärmte. Wieder fing sie bitterlich an zu weinen. Langsam beruhigte sie sich. Ihr Blick fiel auf den Tisch und sie sah die Scherbe. Diese Faszination…. Mia ging wie magisch angezogen zu dem Tisch und nahm die scharfe Scherbe in die Hand. Wie fast jeden Abend fing Mia an sich selbst zu bestrafen. Strafe für das was sie anderen Menschen antut. Außerdem wollte sie Gewissheit, dass sie nicht nur eine leere Hülle ist, die existiert.

Lauri fing wieder an zu trinken. In den Momenten spürte er nichts. Konnte nicht denken. Hatte keine quälenden Gedanken.

Mia träumte wie jede Nacht wieder von ihm. Heute Nacht war es besonders schlimm…

„Nein bitte nicht Lauri!!!“ Sie stand in der Küchentür und sah wie der Meister sich mit einem Messer über ihn beugte. „Lass ihn los“ schrie sie und packte ihn an der Schulter, doch der Meister reagierte nicht. Er war wie eine Maschine, denn es schien so, als ob er sie noch nicht einmal bemerkt hatte. Der Meister holte aus und…… stach zu. Als das Messer in Lauris Magen drang, streckte dieser Hilfe suchend den Arm Richtung Mia. Er sah sie eindringlich an. Plötzlich war der wunderschöne Glanz verschwunden und der Arm sank langsam auf den Küchenboden…

„NEIN!!!!!!!“ schrie Mia auf. Wuschel sprang erschrocken hoch. Sie keuchte und sie merkte, dass sie schweißnass war. Zitternd griff sie zur Wasserflasche neben dem Bett. Nachdem sie etwas getrunken hatte, ließ sie sich noch immer zitternd zurücksinken und zog Wuschel an sich.

Nächtelang ging es so… eine Nacht konnte sie nicht wieder einschlafen und sie saß in der eisigen Kälte im Garten. Sie wärmte sich alleine mit dem Gedanken, dass es Lauri gut geht und jetzt in seinem warmen Bett friedlich schläft, doch sie irrte sich, denn er tat genau das Gegenteil.

Beide stöhnten wild. Lauri dachte die ganze Zeit an Mia. Für ihn war es nicht mehr als Sex. Ein One-Night-Stand. Er hatte sie heute Abend in einem Club kennen gelernt und als sie sich ihm angeboten hatte er aus lauter Frust angenommen. Lauri ließ sich erschöpft auf sie sinken. Sie spürte seinen heftigen Herzschlag und strich ihm über die Wange.
Was tust du da?! Was hast du getan?! Es ist nicht Mia du Idiot!! Dachte Lauri sauer und ließ sich von ihr herab gleiten.
„Ich glaube du geht’s jetzt besser!“ sagte er bestimmt zu ihr.
„Wie bitte??!“
„Du hast richtig gehört! Bitte geh jetzt!“ Lauri schob sie zur Tür und schmiss ihre Klamotten raus.
„DAS wirst du bitter bereuen!!!“ kreischte sie. Lauri fiel auf, dass er noch nicht einmal ihren Namen kannte.

Als sie weg war, ließ sich Lauri an der Tür herab gleiten. Er bereute es.

Mia saß immer noch im Garten und sah an den Himmel. Sie sah sich die Nordlichter an. Wuschel stöberte im nahem Gebüsch. Mia war so traurig. Wieder fing sie an zu weinen.
„Ich schaffe das nicht mehr lange… ich packe das einfach nicht!“ murmelte sie verzweifelt. Wieder dachte sie an die Scherbe und wie es sich wohl anfühlen würde, wenn sie nicht in den Unterarm sondern in die Pulsadern schneiden würde.

Am nächsten Morgen stockte Lauri der Atem. Was sollte das?? Was sollte dieser Zeitungsartikel?? Wann hatte sie die Fotos gemacht?? All diese Fragen schossen Lauri durch den Kopf als er die Zeitung sah.

Lauri Ylönen und seine neue Freundin


Den Rest des Artikels tat er sich gar nicht erst an. Er konnte sich ausrechnen, was darin stand. Lauri ärgerte sich zu Tode und bangte sogleich dass Mia den Artikel nicht lesen würde, doch sie tat es.

Mia starrte auf die Zeitung. Das kann doch nicht sein!!! Nein… dachte sie erschüttert. Ist es wahr? Ist es wahr, dass er mit dieser Frau geschlafen hatte? Ständig schossen ihr neue Fragen durch den Kopf. Ich muss nach Helsinki! Ich muss dahin! Dachte sie entschlossen und packte ihre Sachen. Wuschel wollte sie eigentlich bei der Bäuerin lassen, doch als er sie herzzerreißend ansah, nahm sie ihn doch mit.

Lauri bekam Ärger mit der Plattenfirma und seinen Freunden. Voller Frust ging er in den Stadtpark. Dort war gerade auch Mia. Sie wollte mit Wuschel kurz an die frische Luft, bevor sie sich eine Bleibe für die Nacht suchen wollte. Dann sah sie ihn… er sieht bedrückt aus dachte sie, näherte sich ihm aber nicht. Dass sie wegen ihm in Helsinki war, hieß für sie noch lange nicht, dass sie ihn auch sehen wollte. Sie zog Wuschel hinter einen Busch und versteckte sich dort. Vor dem Busch war eine Bank. Auf diese setzte sich jetzt Lauri. Mia stockte der Atem. Sie war ihm so nahe, sie konnte förmlich seine Wärme spüren. Mia gebot Wuschel leise zu sein und neben ihr sitzen zu bleiben.
Lauri war tief in seinen Gedanken versunken. Wieder einmal dachte er an Mia. Verdammt noch mal ich - liebe – sie – einfach dachte er verbittert. Er sah sich um und stellte beruhigt fest, dass er ganz alleine war. Lag wohl an der bereits einsetzenden Dämmerung. Lauri stand auf, sah in den Himmel und breitete seine Arme aus. Er fühlte sich so frei, als ob er fliegen könnte. Lauri genoss dieses Gefühl, doch noch schöner wäre es, wenn Mia neben ihm das Gleiche täte.

Mia beobachtete ihn immer noch. Wuschel wurde langsam ungeduldig neben ihr.

Lauri hatte auf einmal das Bedürfnis alles was ihn bewegte auszusprechen. Normalerweise tat er dies nur, wenn er laut Musik hörte, aber da er alleine war, fing er an leise zu sprechen:
„Mia wo bist du? Ich glaube, du weißt nicht, wie sehr ich dich liebe…. Weißt nicht, dass ich nicht ohne dich kann. Weißt nicht, dass ich an deiner Flucht zerbreche. Ja Mia, es war eine Flucht! Auch wenn du sagst, dass du mich damit schützen willst! Verdammt Mia, ich brauche dich… wie wünsche ich mir, dass du diese Worte hören könntest….“

Mia hatte alles gehört. In ihr breitete sich eine Wärme aus. Gleichzeitig war da jedoch auch eine Eiseskälte, die in ihrem Herzen war. Er liebte sie, doch es war unmöglich. Ihre Liebe war unmöglich. Ihre Liebe konnte nicht existieren. Sie durfte nicht existieren. Mia beobachtete weiterhin Lauri.

Lauri setzte sich wieder auf die Bank. Es wurde immer dunkler. Ich sollte langsam nach Hause dachte er und stand auf.

Mia war auf einmal so schwindlig. Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann sie das letzte Mal etwas gegessen geschweige denn getrunken hatte. Mia vergrub den Kopf in ihren Händen, doch ihr wurde schwarz vor Augen. Bewusstlos sank sie zu Boden.

„Na nu wer bist du denn?“ Lauri wunderte sich über den Hund, der auf ihm zukam. Scheiße komm mir nicht zu nahe… Lauri hatte Angst vor Hunden, doch dieser schien ganz freundlich zu sein. Wuschel bellte aufgeregt und lief immer zwischen dem Weg und dem Busch hin und her. Lauri verdrängte seine Angst und sah hinter den Busch.

Ach du Scheiße… dachte er nur noch und beugte sich zu der Person runter. Nein, das kann nicht sein…DAS ist Mia!! Dachte Lauri verblüfft. Wohlige Wärme durchfuhr ihn, jedoch hatte er Angst, dass sie sterben könnte, denn ihr Puls war schwach und unregelmäßig. Er legte seine Jacke über sie und rief mit seinem Handy den Notarzt. Während er wartete, sah er den Hund genauer an und erkannte ihn von dem Foto wieder. Wuschel hatte sich winselnd neben Mia gelegt und wärmte sie. Lauri staunte über den Hund.

„Verdammt wo bleibt der Krankenwagen??!“ Lauri lief nervös hin und her. Gleich darauf kniete er sich zu Mia.
„Mia bitte… du kannst mich nicht verlassen! Ich habe dich doch gerade gefunden! Bitte…“ eine Träne tropfte auf ihren leblosen Körper. Endlich ertönten in der Ferne die Sirenen.

Lauri fuhr im Krankenwagen mit. Der Notarzt hatte ihr sofort eine Infusion gelegt. Kreislaufkollaps auf Grund einer Mangelernährung. Lauri konnte es nicht fassen. War ihre Vergangenheit daran schuld?

Wuschel fuhr auch mit, was Lauri einige Überredungskunst gekostet hatte, aber was sollte er machen…
Im Krankenhaus kam Mia erstmal auf die Intensivstation, da sie ihren Kreislauf beobachten wollten. Sie war immer noch nicht aufgewacht und Lauri saß niedergeschlagen an ihrem Bett.

„Mia ich muss weg! Dein Hund wartet in der Kälte. Ich komme morgen wieder!“ verabschiedete sich Lauri von ihr und ging schweren Herzens. Ihr Zustand war kritisch und er machte sich Sorgen. Er nahm sich vor sie in Zukunft nicht mehr so einfach gehen zu lassen. So etwas wie heute sollte nie mehr geschehen.

Vor dem Krankenhaus schnappte er sich Wuschel, der den Schwanz traurig hängen lies, und fuhr mit einem Taxi nach Hause.

Wuschel war Lauri immer noch nicht ganz geheuer, aber was sollte er tun… In seiner Wohnung gab er ihm erstmal Wasser und etwas zu fressen. Danach ging er zu Bett und fiel in einen unruhigen Schlaf.

Am nächsten Morgen wachte er auf und bekam erstmal einen Schrecken. Etwas weiches, warmes und kuscheliges lag neben ihm im Bett

WUSCHEL motzte Lauri den Hund an, der daraufhin träge ein Auge öffnete und leise winselte. „Vermisst sie wohl auch so wie ich was?“ fragte Lauri traurig. Wuschel sah ihn nur nachdenklich an. ( Kann ein Hund nachdenklich gucken?! Okay hier geht bekanntlich alles) Kurz darauf ging Lauri in die Küche um eine Kleinigkeit zu essen. Danach machte er sich wieder auf den Weg ins Krankenhaus. Wuschel lies er bei einer Nachbarin.

Im Krankenhaus stürmte Lauri sofort auf einen Arzt zu. „Wie geht es Mia???“ „Herr Ylönen? Ihre Freundin hatte letzte Nacht einen starken Rückfall. Ihr Körper hat anscheinend die Dauerbelastung und die Mangelernährung nicht vertragen…“ der Arzt wurde von Lauri unterbrochen: „Ist sie tot?“ stammelte er fassungslos. „Nein…Sie liegt im Koma. Ihr Zustand ist sehr kritisch. Wenn sie es bis morgen schafft, hat sie wahrscheinlich eine Chance. Sie entschuldigen mich- Ich muss in den OP“

Wenn sie es bis morgen schafft….. Für Lauri brach eine Welt zusammen. Er fühlte sich so leer. Ihm war kalt und gleichzeitig heiß. Hatte das Gefühl, als ob seine Beine gleich nachgeben würden. Hatte Angst. Panische Angst sie zu verlieren. Sich zu verlieren…

Langsam öffnete er die Zimmertür. Sah sie an. Überall Schläuche. Geräte. Lauri setzte sich neben sie und nahm ihre Hand. Sie fühlte sich eiskalt und leblos an. „Mia… bitte verlass mich nicht. Hörst du? Verlass mich nicht. Ich brauch dich doch…“ flüsterte Lauri erstickt. Krampfhaft versuchte er die Tränen, seine Tränen, zurückzuhalten. Doch sein Wille war gebrochen. Sein Kopf sank auf die Decke in Höhe ihres Bauches. Er krallte sich in die Bettdecke und weinte um sie und um sich selbst, denn er hatte sich verloren. In ihr… hatte ihr sein Herz geschenkt. Sein Herz schlug so laut, so dass Lauri dachte, dass es alle hören mussten. Es war, als ob es für Mia mit schlug. Lauri krallte sich noch fester in die Decke. Als ob er verhindern wollte, dass sie ihm einfach davonflog.

Langsam merkte er ,dass er Kopfschmerzen bekam. Er hob seinen Kopf und betrachtete ihren leblosen Körper und lauschte dem einzigen Lebenszeichen von ihr – dem regelmäßigen Piepen.

Er sah ein Amulett an ihrem Hals. Lauri beugte sich über sie, ignorierte ihre blauen Flecke und Schnitte an ihren Armen und öffnete das Amulett. Er sah ein Foto und ein kleiner Zettel fiel heraus. Er nahm den Zettel in die Hand, zog tief ihren Duft ein, um ihn sich einzuprägen und um ihn nie zu vergessen und faltete den Zettel auseinander.

Für meine geliebte Schwester. Dezember 1998

Dein Jonas

Ps: Falls du mich brauchst: 0172/9373942 (ausgedacht Anm. d. A.)


Lauri sah das Bild im Amulett an. Jonas und Mia sahen so glücklich aus. Sie wirkten so, als ob nichts und niemand sie auseinander reißen könnte und doch war es passiert. Mia hatte glänzende Augen. Diesen Glanz hatte Lauri nie bei ihr gesehen. Vielleicht könnte er ihn irgendwann wieder zurückzaubern. Das Foto stimmte Lauri traurig. Konnte sie jemals wieder glücklich sein? Würden sich Jonas und Mia jemals wieder in den Armen halten so wie auf dem Foto? Lauri wusste es nicht und seufzte tief. Plötzlich bekam er eine Idee….

Vor der Eingangstür des Krankenhauses tippte er die Nummer ein, die auf dem Zettel stand und die er sich gemerkt hatte. Lauri war der Meinung, dass Mia ihren Bruder jetzt brauchte. Vielleicht würde es Mia wieder zum Leben erwecken.

Als Jonas im Flugzeug saß dachte er über seinen Leichtsinn einfach nach Finnland zu fliegen nach. Wie konnte er sicher sein, dass dieser Lauri Ylönen die Wahrheit sagt? Wie konnte er sicher sein, dass Mia noch lebt? Geschweige denn dass er sie kennt? Andererseits wie konnte er dann das Amulett so gut beschreiben? All diese Fragen schwirrten ihm durch den Kopf. Er hatte Mia seit ihrer Flucht aus Deutschland nie mehr gesehen. Geschweige denn etwas von ihr gehört. Er erinnerte sich an den Abschied. Wie sie versprochen hatte sich zu melden. Warum hatte sie das nie getan? Jonas seufzte. Er schob die lästigen Fragen beiseite. Es fiel ihm leichter, als er gedacht hatte, denn die Tatsache dass Mia womöglich jetzt gerade in diesem Moment sterben könnte, ließen ihn alle Zweifel vergessen.

Jonas stand in der Flughafenhalle und wartete auf Lauri. Wieder kamen diese lästigen Fragen auf. Wird er zu spät kommen? Wird er Mia nur noch tot in seine Arme schließen? Wird sie jemals wieder aufwachen? Jonas setzte sich auf eine Bank. Er machte sich heftige Vorwürfe, dass er damals nicht besser auf sie aufgepasst hatte, aber er hatte so viel mit sich selbst zu tun… der Tod ihrer Eltern, der Stress… Vielleicht hätte sie nie Matthias kennen gelernt, wenn er mehr Zeit für sie gehabt hätte. Vielleicht würde sie ihm dann wie früher jeden Morgen durch die Haare streichen und ein Brummen von sich geben was wohl „guten Morgen“ heißen sollte. Er hatte diese Wuschelei gehasst, aber jetzt würde er alles dafür tun, damit sie ihm noch einmal durch die Haare streichen würde. Er stellte seinen Discman an. Es war Mias Lieblingsgruppe. Früher hatte er Linkin Park nie gemocht, hatte es als Krach empfunden, doch seitdem sie weg war, war diese Gruppe einer der wenigen Verbindungen, die er zu Mia hatte aufrecht erhalten können.


I’m tired of being what you want me to be
Feeling so faithless
Lost under the surface
Don’t know what you’re expecting of me
Put under the pressure of walking in your shoes

(Caught in the undertow, just caught in the undertow)
Every step that I take is another mistake to you
(Caught in the undertow, we’re just caught in the undertow)

I’ve become so numb
I can’t feel you there
I've become so tired
So much more aware
I’m becoming this
All I want to do
Is be more like me
And be less like you

Can’t you see that you’re smothering me
Holding too tightly
Afraid to lose control
Cuz everything that you thought I would be
Has fallen apart right in front of you

(Caught in the undertow, just caught in the undertow)
Every step that I take is another mistake to you
(Caught in the undertow, we’re just caught in the undertow)
And every second I waste is more than I can take

I’ve become so numb
I can’t feel you there
I've become so tired
So much more aware
I’m becoming this
All I want to do
Is be more like me
And be less like you

And I know...
I may end up failing too
But I know...
You were just like me
With someone disappointed in you

I’ve become so numb
I can’t feel you there
I've become so tired
So much more aware
I’m becoming this
All I want to do
Is be more like me
And be less like you

I’ve become so numb
I can’t feel you there
(I’m tired of being what you want me to be)
I’ve become so numb
I can’t feel you there
I’m tired of being what you want me to be

Das war Mias Lieblingslied. Sie hatte mal zu ihm gesagt, wenn er wissen wolle, wie sie sich manchmal fühlte, sollte er dieses Lied hören. Dieses Lied brachte ihn gefühlsmäßig so nah an seine Schwester, so dass er es täglich hörte. Zu Hause verbrachte er Stunden in Mias Zimmer, lag in ihrem Bett, genoss ihren Duft. Als dieser Duft verflogen war, hatte er sich tagelang verkrochen. Es war, als ob sie ihn in dem Moment völlig verlassen hatte. So blieb ihm nur noch die Musik. Er kaufte sich ihr Parfüm, kochte sich ihr Lieblingsessen usw. Jonas wollte mit allen Mitteln verhindern, dass seine Schwester in Vergessenheit geraten würde.

Lauri betrat die Flughafenhalle und ging zu dem Treffpunkt, den er mit Jonas ausgemacht hatte. „Das muss er sein“ dachte er und ging auf den jungen Mann zu. Dieser sah auf und sah Lauri in die Augen. Lauri schreckte kurz zurück und starrte ihn dann an. Lauri traute seinen Augen nicht, denn Jonas hatte die gleichen Augen wie Mia. Ihm wurde schmerzlich bewusst, was er so sehr vermisste wie Hanna. „Sind sie Herr Ylönen?“ Jonas fühlte sich unter Lauris Blicken unwohl. Lauri riss sich mühsam von seinen Augen los und nickte langsam. Er hatte gemerkt, dass er Jonas verunsicherte. Sie fuhren sofort ins Krankenhaus. Während der Fahrt erzählte Lauri Jonas das Wichtigste über Helsinki um die steife Atmosphäre zu überbrücken. Jonas kam die Fahrt trotzdem unendlich vor.

Vor ihrer Zimmertür war er unsicher. Lauri beobachtete ihn und dachte sich schweren Herzens, dass er die beiden wohl erstmal einmal alleine lassen sollte und ging in die Cafeteria. Als Jonas das Zimmer betrat erschrak er. Dort lag seine Mia. Blass, leblos, krank. Sie wirkte verloren in dem großen Krankenhausbett. Eine Träne lief lautlos seine Wange herunter. Er setzte sich neben sie und streichelte ihre Hand. Sie war eiskalt. Er nahm wie früher ihre Hand in seine Hände und wärmte sie. Er erinnerte sich daran, wie er sich immer geärgert hatte, wenn sie mit ihren kalten Händen ankam. In den letzten Jahren hatte er ihre kalten Hände bitter vermisst. Als er sie noch mal ansah, entdeckte er das Amulett.

„Sie trägt es ja immer noch“ dachte er und ein trauriges Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Es klopfte leise an der Tür. Jonas sah auf und hielt ihre Hand weiterhin fest. Lauri steckte seinen Kopf durch den Türspalt und betrat leise das Zimmer.

Er sah Jonas an Mias Bett sitzen und bemerkte seine Hand, die Mias Hand Besitz ergreifend umschloss. Eifersucht durchfuhr ihn. Aber war es nicht seine Idee gewesen Jonas hier herzuholen? Ich bin egoistisch dachte er und setzte sich auf die andere Seite des Bettes. Er versuchte die Eifersucht zu unterdrücken, doch in Hinsicht auf Jonas fiel ihm das schwer.

„Wissen die Ärzte ob sie jemals wieder aufwachen wird?“ fragte Jonas auf einmal leise. Er hatte Angst vor Lauris Antwort. Er wollte Mia nicht verlieren gerade jetzt nicht. Lauri überlegte. „Sie wissen es nicht genau. Ihr Zustand ist stabil….“ Antwortete er langsam. „Kann man irgendwas tun?“ Jonas’ Stimme zitterte gefährlich. „Eigentlich nicht viel. Wir können nur für sie da sein. Vielleicht merkt sie es ja“ auch Lauri ging dieses Gespräch an die Nieren. Er sah auf den Boden. „Du liebst sie nicht?“ fragte Jonas plötzlich. Lauri schreckte zusammen. Er hatte grade an ihren Nachmittag gedacht, den sie zusammen verbracht hatten. Es war der Tag gewesen, an dem er sich in sie verliebt hatte.

Lauri sah ihn an. „Ja ich liebe sie“ antwortete er mit fester Stimme. Jonas schwieg einen Moment. „Okay…“ antwortete er einfach nur und kurz darauf stand er auf und ging zu Lauri.
Er reichte ihm seine Hand „Willkommen in unser kleinen Familie! Ich bin Jonas“ er lächelte. „Ich bin Lauri“. Dann ging die Zimmertür auf und eine Krankenschwester betrat den Raum.
Sie sah die beiden an. Jonas ging auf sie zu. „Wird es meine Schwester schaffen??“ diese Frage hatte er seit ein paar Minuten auf der Zunge. „Eigentlich darf ich keine Auskunft geben, da ich kein Arzt bin, aber sie hat die kritischen Stunden überstanden. Sie muss nur noch aufwachen. Wenn ich sie bitten würde…“ sie wies zur Tür. „Die Besuchszeit ist vorbei“ Lauri und Jonas nickten. Jonas strich kurz über ihren leblosen Arm und ging zur Tür und beobachtete Lauri, wie er sich von Mia verabschiedete. Seine Art und Weise passte ihm gar nicht.

Lauri beugte sich über Mia und küsste sie zärtlich. Er konnte Jonas’ Blicke regelrecht auf sich spüren, aber es war ihm egal. Diese winzige Geste lies er sich nicht nehmen.
Lauri und Jonas verließen das Zimmer und fuhren zu Lauri. Jonas sollte bei ihm schlafen, um die Hotelkosten zu sparen.

Lauri schloss die Wohnungstür auf „Tja hier wohne ich….“ Sagte er zu Jonas gewandt und machte eine unbestimmte Armbewegung. Sein Blick fiel auf den Teller, von dem Wuschel gefressen hatte. Da wusste er, was er vergessen hatte. „Ich bin gleich wieder da“ rief er und verließ die Wohnung.

Jonas sah sich neugierig um. Er sah eine CD auf den Couchtisch liegen. Er nahm sie in die Hand. The Rasmus. Kenn ich nicht, dachte er und sah sich das Cover an. Er stutzte. War das nicht Lauri??! Er öffnete die Hülle und nahm das Booklet heraus. The Rasmus are Lauri Ylönen, Aki Hakala, Eero Heinonen und Pauli Rantasalmi Lauri war ein Star und er liebt Mia. Jonas war perplex und setzte sich aufs Sofa. Also Geschmack hat er ja, dachte er in Bezug auf seine Wohnungseinrichtung. Er hörte wie die Wohnungstür aufgeschlossen wurde. „Ich bin wieder da“ hörte er Lauri rufen und hörte ein Tapsen von Pfoten. Kurz darauf kam Wuschel ins Wohnzimmer gewetzt. Der Hund bremste verblüfft ab, als er Jonas sah. Er fing an zu knurren. Wuschel drehte sich zu Lauri um, der in der Tür stand und schien zu fragen, ob Jonas ein Einbrecher sei und ob er ihn beißen darf. Lauri klopfte Wuschel beruhigend auf die Seite und erzählte Jonas die Geschichte, wie Wuschel zu ihm gekommen war. „Ich mochte Hunde nie, aber Mias Hund gefällt mir“ schloss Lauri lächelnd. Jonas lachte. „Ja das konnte sie schon immer gut. Sie konnte schon immer andere Menschen für eine Sache begeistern!“ er lächelte Lauri stolz an. „Erzähl mir mal was von ihrer Zeit in Deutschland…“ bat Lauri plötzlich und Jonas begann von ihrer Kindheit, den frühen Tod ihrer Eltern und wie sie auf die schiefe Bahn geriet zu erzählen. „Ich bin schuld. Ich hätte besser auf sie aufpassen sollen. Wenn ich das getan hätte, würde sie nie im Krankenhaus im Koma liegen“ schloss er traurig. Dann hätte ich sie aber nie kennen und lieben gelernt… das wäre Lauri fast herausgerutscht, bevor er Jonas direkt in die Augen sah. „Du bist nicht schuld. Das hätte in Deutschland genauso gut passieren können. Es war einfach zu viel für sie damals. Für euch beide.“

„Aber wenn sie wieder gesund ist muss ich wieder zurück nach Deutschland! Dann bin ich wieder nicht für sie da! Dann lasse ich sie wieder allein“ erwiderte Jonas verzweifelt. Lauri fasste ihn an den Schultern. „Ich bin hier in Helsinki. Ich pass auf sie auf. Ihr passiert nichts mehr, wenn sie sich helfen lässt!“ Jonas sprang auf. „Das kannst du nicht! DU kannst nicht auf sie aufpassen. Du hast eine Band. Du musst reisen und bist oft nicht da“ schrie er Lauri aufgebracht an. Dieser starrte ihn. „Aber ich liebe sie!!! Jonas, ich würde für sie sterben, wenn es ihr helfen würde!“ schrie er zurück und ließ sich auf den Boden sinken. „Ich liebe sie doch…“ es war nur noch ein leises Wimmern. Jonas legte ihm die Hand auf den Rücken. „Tut mir leid… ich wollte nicht…“ versuchte er sich zu entschuldigen, doch Lauri stieß seine Hand weg und verschwand in seinem Zimmer. Er schloss die Tür ab. Wollte seine Ruhe haben. Wollte nachdenken. Wollte schlafen. Alles vergessen.

Lauri vergrub sich in seinem Bett. Zog die Decke über seinen Kopf. Versuchte den Streit zu verdrängen. Vergrub sich noch weiter in seinem Bett. Wollte verhindern dass die Realität auf ihn einschlägt. Kurz darauf war er eingeschlafen und fing an zu träumen….

Im Traum sah er Mia. Sie stand in einiger Entfernung vor ihm und er lief direkt auf Mias ausgebreitete Arme zu, doch die Entfernung zwischen ihnen schien immer weiter zu werden. Sie streckte die Arme nach ihm aus. Er rannte wie er noch nie gerannt ist, doch er erreichte sie einfach nicht. Mia fing bitterlich an zu weinen und entfernte sich immer mehr. Hinter ihr stand der Meister. Ihre Augen flehten um Hilfe. Lauri wollte helfen. Lauri schlug im Schlaf verzweifelt um sich. Er schrie, dass sie bei ihm bleiben sollte. Sie lächelte, versuchte den Meister mit einer Armbewegung wegzuwischen. Es funktionierte nicht. Lauri hatte Seitenstechen. Konnte nicht mehr, doch er rannte. Rannte um die Liebe seines Lebens. Plötzlich kam er an einen Abgrund. Er musste stehen bleiben. Auf der anderen Seite stand Mia und lächelte ihn traurig an. Auf einmal erschien wie aus Geisterhand eine Brücke über den Abgrund. Mia sah unentschlossen zwischen dem Tod auf dessen Seite sie im Moment stand und dem Leben, auf dessen Seite Lauri stand, hin und her.

Schweißnass und weinend wachte Lauri auf. Stöhnend vergrub er seinen Kopf in den Kissen. Wimmerte. Versuchte sich einzureden, dass alles nur ein Traum gewesen sei. Langsam spürte er dass die Müdigkeit ihn wieder übermannte. Kurz darauf verschwand die tiefe Verzweiflung und Angst in seinem Gesicht. Er war wieder eingeschlafen. Im Wohnzimmer schlief Jonas friedlich weiter. Keiner von beiden ahnte, dass im Krankenhaus die Ärzte zu Mias Zimmer rannten….

Die Krankenschwester hatte aufgeregt die Ärzte gerufen, als sie sah, dass Mias Hand und ihre Augenlider zuckten. Sie wachte auf. Die Ärzte standen gespannt um ihr Bett und beobachteten sie. Es dauerte noch über 2 Stunden bis sie verwirrt und blinzelnd die Augen aufschlug. Sie fühlte sich benommen und schlapp, wie nach einem langen Schlaf, was ja auch stimmte „Wo bin ich?“ stotterte Mia verwirrt. „Sie sind im Krankenhaus!“ „Krankenhaus? wie?““ Der Arzt sah sie an und leuchtete in ihre Augen. „Sie hatten einen Kreislaufkollaps und sind im Stadtpark zusammengebrochen. Sie können von Glück reden, dass ihr Freund gleich den Notarzt gerufen hat. Seitdem lagen sie im Koma. Über eine Woche lang. Ihr Freund wird sich bestimmt freuen, dass sie wach sind. “ erzählte er ihr während seiner Visite.
„Freund? Kreislaufkollaps? Ich kann mich nicht erinnern….“ Rief Mia verzweifelt. Der Arzt sah sie beruhigend an. „Eine Amnesie ist in ihrem Fall ganz normal. Die Erinnerungen werden mit der Zeit sicherlich zurückkommen. Setzen sie sich nicht unter Druck und schlafen am besten noch ein wenig! Nachher werden sie bestimmt Besuch bekommen!“ erklärte der Arzt und verschwand. Mia war alleine und dachte nach. Wer sollte denn zu Besuch kommen? Sie wusste nicht, ob sie Familie hatte geschweige denn einen Freund. Sie sah sich um. Blumen. Anscheinend kannte sie doch jemanden… eine Träne lief ihr die blasse Wange hinab. Was war wenn sie sich nie erinnern würde?

Lauri seufzte im Schlaf. Er hatte gerade geträumt, wie Mia über die Brücke gerannt ist und wie er sie in seine Arme geschlossen hatte. Sie hatte sich für ihn, für das Leben, entschieden. Im Schlaf umarmte er die zusammengeknüllte Bettdecke. Am frühen Morgen wurde er durch heftiges Klopfen an der Tür aus seinen Träumen gerissen, als es gerade interessant wurde. Lauri schloss die Tür auf und Jonas hielt mitten in seiner Bewegung inne. „SIE IST WACH“ schrie er überglücklich „WIR SOLLEN INS KRANKENHAUS KOMMEN!!!“ Auf Lauris Gesicht breitete sich ein Lächeln wie die aufgehende Sonne aus und das Leuchten in seinen Augen kehrte zurück. „Wir müssen sofort los“ rief er aufgeregt und lief zu seinem Kleiderschrank und zerrte wahllos ein paar Klamotten raus. 5 Minuten später (er hatte aufs Styling verzichtet… jaja wahre Liebe *fg*) saßen sie im Auto und fuhren los.

Im Krankenhaus klopften sie kurz an und betraten dann das Zimmer. Mia blickte sie erstaunt an. „Hallo Mia!“ sagte Lauri leise, der sich eigenartig fühlte. „Hi Schwesterherz“ begrüßte auch Jonas Mia unsicher. Sie verstand gar nichts. „Wer seid ihr?“ Lauri und Jonas starrten sie fassungslos an. Wieso erkannte sie sie nicht? „Du musst dich doch erinnern!“ sagte Lauri bettelnd. Mia traten Tränen in die Augen. Wieso setzte er sie so unter Druck? Ein Arzt betrat das Zimmer. „Oh gut das sie da sind! Kann ich kurz mit ihnen sprechen?“ fragte er Lauri und Jonas und ging aus dem Zimmer. Jonas und Lauri folgten ihm verwirrt auf den Gang. Lauri drehte sich noch einmal um. Mia hatte sich im Bett zusammengerollt. Er war so glücklich, dass sie aufgewacht ist und dann das jetzt. Hatte ihre Liebe überhaupt eine Chance? Das Glücksgefühl verschwand langsam aber sicher.

„Ihre Schwester und Freundin hat in Folge ihres komatösen Zustandes eine Amnesie erlitten… In Laufe der nächsten Zeit wird sie sich aber unter normalen Umständen wieder erinnern…“ erklärte der Arzt Lauri und Jonas ausführlich. „Was heißt unter normalen Umständen?“ fragte Jonas misstrauisch. Der Arzt sah ihn an. „Das heißt, dass sie nicht unnötigen Stress ausgesetzt sein sollte und dass sie sobald wie es geht wieder in ihr normales Leben zurück soll.“ Lauri und Jonas nickten. „Wann kann sie denn wieder entlassen werden?“ Der Arzt überlegte. „Mmmh so in einer Woche? Wenn sich ihr Zustand weiterhin verbessert. Eine Bitte an sie: Setzen sie sie nicht unter Druck, denn dann könnten womöglich die Erinnerungen gar nicht wiederkommen und das wollen wir ja alle nicht!“ er schüttelte beiden die Hand und verschwand um die nahe gelegene Ecke. Lauri und Jonas beschlossen sich ganz normal zu verhalten und gingen wieder in das Zimmer zu Mia.

Mia fühlte sich unsicher in ihrer Gegenwart. Besonders in Lauris, denn er machte sie mit seinen Blicken nervös. Sie unterhielten sich anfangs sehr gezwungen, aber am Ende der Besuchszeit wurde das Gespräch lockerer und Mia lachte. Lauri sah sie fasziniert an. Ihm wurde mal wieder klar, dass er ohne sie nicht mehr leben konnte. Mia lächelte ihn an. Ihre anfängliche Verunsicherung war verflogen. Sie mochte Lauri gerne und mit Jonas verstand sie sich super. Er war immerhin ihr Bruder. Erinnern konnte sie sich leider immer noch nicht. Als Jonas für einen Moment auf der Toilette war, sah Mia Lauri in die Augen „Lauri waren wir zusammen?“ Sie musste es wissen. „Nein… eigentlich nicht…“ und er erzählte ihr von ihren Begegnungen. Mia hörte aufmerksam zu. Am Ende holte Lauri ihr Foto, was sie ihm geschickt hatte und den letzten Brief, bevor sie verschwunden war, heraus und zeigte es ihr. Mia las es durch. Beide merkten nicht, wie Jonas kurz im Zimmer auftauchte und dann leise wieder verschwand, um sie alleine zu lassen. Sie hatten schließlich eine Menge zu besprechen und Lauri war ihm nicht unsympathisch. Er konnte ihn sich durchaus als Partner für seine kleine Schwester vorstellen.

Dort stand es schwarz auf weiß. Sie hatte ihn geliebt. Mia sah ihn an. Ein bisschen eigenartig war er ja schon. Federn im Haar, schwarz gekleidet usw. Aber auf der anderen Seite gehörte er zu den 2 Menschen, die sie kannte und sie hatte ihn geliebt… aber liebte sie ihn jetzt auch noch? Er gefiel ihr, das musste sie zugeben, aber lieben? Nein…„Lauri ich will ehrlich sein. Ich weiß nicht ob ich dich wieder lieben kann. Ohne die Erinnerungen mein ich… Wenn ich mich wieder erinnere wird das vielleicht alles anders sein. Bitte lass mir Zeit!“ versuchte sie ihm zu erklären. Lauri sah sie traurig an und nickte. „Ich verstehe dich. Auch wenn es mir schwer fällt…“

Jonas kam wieder ins Zimmer. Sie redeten noch ein wenig bis die Krankenschwester sie freundlich aber bestimmt zum Aufbruch trieb. „Also bis morgen Schwesterherz“ sagte Jonas zu Mia und umarmte sie. Lauri trat an das Bett heran und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Sie sah ihn verwundert an. Lauri lächelte und ihr mit seiner Daumenspitze über ihre Wange „Bis morgen“ sagte er leise zu ihr und verschwand aus dem Zimmer. Mia starrte die verschlossene Tür an und beschloss dann kurz auf die Toilette zu gehen.

Sie sah sich im Spiegel an. Fuhr immer wieder über die Stelle auf die Lauri sie geküsst hatte. „Ich spinn doch“ murmelte sie und wusch sich kopfschüttelnd die Hände. Betrachtete mal wieder ihre zerschnittenen Arme. Wieso habe ich das gemacht? Fragte sie sich und zerbrach sich den Kopf. Sie wusste es einfach nicht. Wenig später kam ihr der abstruse Gedanke, dass sie das nicht mehr machen würde, wenn Lauri sie nie mehr loslassen würde. Er hatte ihr viel über ihre kurze Zeit zusammen erzählt. Sie kannte nur seine Sichtweise. „Irgendwann weiß ich auch wieder alles über dich Lauri“ sagte sie zuversichtlich und ging wieder ins Zimmer zurück. Sie merkte, dass immer noch sein Geruch im Zimmer hing. Mia atmete tief ein, legte sich ins Bett und schlief sogleich ein.

Auch für Jonas und Lauri war es ein anstrengender Tag gewesen und sie gingen nach dem Essen gleich ins Bett bzw. auf das ausgezogene Sofa. Lauri konnte nicht einschlafen, starrte in die Dunkelheit, die ihn unbarmherzig umschloss. Er dachte über ihre Worte nach. Lauri hoffe so sehr, dass sie ihn irgendwann wieder lieben würde, so dass er das Gefühl hatte zu ersticken. Er wollte sie so sehr wie noch nie jemanden oder etwas auf dieser Welt. Sie war die Person seiner Träume. Sein tiefster, ehrlichster und sehnlichster Wunsch. Lauri dachte an die Gefahr, die Mia und unweigerlich auch ihn immer noch umgab. Er wollte sie schützen, aber wie? Er hatte keine Idee. Natürlich würde er so oft wie es möglich war bei ihr sein und sie nicht loslassen, aber auf lange Zeit gesehen war es auch keine Lösung, denn er war oft unterwegs. Der Meister, mit seiner krankhaften Liebe und Besitzerzwang, musste von ihr ferngehalten werden. Lauri ballte seine Faust. Spürte wie das Blut durch seine Adern rauschte. Er würde seine Mia, die ihn an das Märchen Dornröschen erinnerte, beschützen. Mit seiner Liebe, seiner Kraft, seinen Körper. Auch wenn sie ihn nicht lieben würde, was er nicht hoffte, würde er alles tun, damit ihr nichts passierte. Das schwor er sich. Lauri kuschelte sich in Decke. „Und weißt du auch warum Mia? Weißt du warum ich alles tun werde, damit es dir gut geht? Weil ich dich mehr als alles andere liebe!“ Mit diesen Worten schlief er ein.

Mia träumte. Es war kein normaler Traum. Nein. Es waren Bilder und Erinnerungen, die nicht zusammen hingen. Sie sah Lauri lächeln. Sah ihn und sich vor einer Haustür. War es ihre Haustür? Konnte ihr Glücksgefühl spüren. Seine Zuneigung. Sah eine andere Tür. Einen Schriftzug darauf „Satanstochter“ Spürte ihre Angst. Hass.
Sah eine dunkle Gasse. Den Meister. Spürte Schmerz, Angst, Kälte. Wieder Schmerz, Angst, Todesangst. Sah Lauri, der sie vor dem Meister rettete. Mia drehte sich im Schlaf auf eine andere Seite. Sah wieder sich selbst. Diesmal um Jahre jünger. Sie stand mit Jonas vor einem Grab. Sie weinte. Wieder erschien ein Bild von Lauri. Dann sah sie einen dunklen Raum. Sah den Meister und andere Personen, die auf sie zukamen. Spürte ihre Berührungen. Ihren eigenen Ekel, ihre Angst. Sah ein Mädchen, dem das Gleiche gleichzeitig passierte. Hörte es schreien. Hörte ihr eigenes Gewimmer. Mia schrie im Schlaf, schlug um sich. Gerade als alles von vorne anfing wurde sie von einer besorgten Krankenschwester geweckt.

Mia hatte nicht wahrgenommen, dass sie das halbe Krankenhaus zusammen geschrien hatte. Sie sah die besorgte Krankenschwester an. Ihr Gesicht kam Mia eigenartig verzerrt vor. Es veränderte sich. Bekam härtere, männliche Züge. Auch die Kleidung veränderte sich. Schwarze Sachen traten an die Stelle der weißen Krankenhauskleidung. Der Meister trat an das Bett heran. Kam näher. Mia begann panisch vor ihm wegzurutschen. Fing an zu zittern. Hielt sich die Hände vor ihr schönes Gesicht. Wimmerte. Sprang auf einmal auf und schlug auf den Meister ein. Die plötzliche Kraft von Mia war verschwunden. Sie lief weinend in eine Ecke und verkroch sich dort. Hoffte, dass er sie in Ruhe lassen würde, doch er kam näher. Sie nahm ihre letzte Kraft zusammen und schrie panisch nach Lauri…

Neben Lauris Bett klingelte das Handy. Er hatte dem Krankenhaus seine Handynummer gegeben, damit sie ihn immer erreichen konnten. Lauri sah auf den Display. Krankenhaus. O Gott. Augenblicklich war er hellwach. „Ylönen“ es meldete sich eine Frauenstimme. „Herr Ylönen? Bei ihrer Freundin sind Erinnerungen zurückgekehrt. Sie hatte schlimme Alpträume und als eine Schwester sie weckte schlug ihre Freundin panisch auf sie ein. Jetzt sitzt sie wimmernd in ihrem Zimmer und verlangt nach ihnen. Bitte kommen sie sofort!“ „Okay. Ich bin so gut wie unterwegs“ Lauri legte auf und zog sich schnell an. Er öffnete die Tür und sah Jonas schlafen. Seufzend weckte er ihn. „Was ist?“ grummelte Jonas. „Es ist etwas mit Mia. Das Krankenhaus hat eben angerufen. Ich soll sofort kommen“ Jonas sprang auf. „Ich komm mit!“ Lauri widersprach ihm „Meinst du nicht, dass einer von uns reicht? Ich bin schon angezogen…“ Jonas setzte sich auf einen Stuhl. Überlegte. Nickte dann „Okay aber ruf mich an, wenn es etwas Neues gibt“ Lauri gab keine Antwort und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen.

Er fuhr schneller als erlaubt war zum Krankenhaus. Ein möglicher Strafzettel war ihm Mia wert. Was war schon ein Strafzettel gegen die große Liebe seines Lebens?! Lauri stürmte ins Krankenhaus. Auf dem Gang, an dem ihr Zimmer lag, hörte er schon ihr Gewimmer. Ihm lief es eiskalt den Rücken herunter. Ärzte und Schwestern standen vor ihrem Zimmer. Sie sahen ihn erleichtert an. „Sie lässt niemanden ins Zimmer!“ sagte ein Arzt zu Lauri, den er nicht kannte. „Versuchen sie ihr Glück“ er wies zur Tür. Lauri klopfte leise. „Lasst mich in Ruhe“ ertönte sogleich Mias weinerliche Stimme. Lauri konnte ihre Angst hören. Es tat ihm in der Seele weh. An was hatte sie sich erinnert? „Mia, ich bin’s Lauri“ rief er leise und horchte. Es kam keine Antwort. Lauri drückte die Türklinke herunter und betrat das Zimmer. Er sah sich im schwach beleuchteten Zimmer um. Ihre leise Stimme ertönte. „Lauri?“ Endlich sah er sie. Sie saß zusammengekauert in einer Ecke. Lauri ging vor ihr in die Hocke. Sah sie eindringlich an. „Was ist passiert?“ „Ich hab mich erinnert“ sagte Mia stockend. „aber das ist doch gut!“ antwortete Lauri verwirrt. Mia fing wieder an zu weinen „Ich habe alles gespürt. Ihn. Die ganzen Vergew…“ weiter kam sie nicht, denn Lauri machte leise „Tsch…“ Sie fing an zu wimmern. Dafür wird er büßen, dachte Lauri und setzte sich neben sie. Zog sie auf seinen Schoß. Mia zuckte bei seiner Berührung zusammen, ließ ihn jedoch gewähren und klammerte sich an ihn. Fing wieder an zu weinen. Lauri wiegte sie hin und her, genauso wie er es bei einem Kind getan hätte. Die Schauder, die sie durchzuckten, ebbten langsam ab und ihr Atem ging langsamer. Lauri strich ihr unentwegt über ihren Rücken. Er spürte die Nässe ihrer Tränen, die durch sein Hemd drangen. Ihm war es egal. Hauptsache Mia würde es besser gehen. „Ich will hier weg. Bring mich hier raus“ flüsterte Mia. „Okay“ murmelte Lauri und stand mit ihr auf. Sie war so leicht, dass es ihm keine Probleme bereitete. Sie hielt sich wie ein Äffchen an seiner Mutter erschöpft an ihm fest. Ihr Kopf ruhte auf seiner Brust.

Lauri trat auf den Flur. Die Ärzte sahen ihn verwundert an. „Was soll das?!“ fragte einer verwundert. „Sie muss hier raus.“ Sagte Lauri knapp als Erklärung. „Das geht nicht!“ rief ein anderer Arzt aufgebracht. „Ach und wieso nicht?! Es ist ihr Wunsch!“ darauf wussten alle nichts mehr zu antworten und Lauri konnte ungehindert das Krankenhaus mit Mia verlassen. Schnell fuhr er mit ihr nach Hause.

Als sie angekommen waren merkte er, dass sie eingeschlafen war. Lauri seufzte und hob sie aus dem Auto. Er stieg langsam die Treppen hoch und Jonas, der die Szene vom Fenster aus beobachtet hatte, öffnete aufgeregt die Wohnungstür. „Du hast sie mitgebracht? Wieso?!“ Lauri würgte ihn mit einer Handbewegung auf die schlafende Mia ab. Jonas nickte und gab den Weg in die Wohnung frei.

Lauri legte sie sanft in sein Bett und deckte sie sorgfältig zu. Sie schlief wie ein Stein. Jonas stand in der Schlafzimmertür und wartete ungeduldig auf Lauris Bericht der Geschehnisse. Lauri strich Mia sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht und murmelte leise „Schlaf gut Dornröschen.“ Er wandte sich zur Tür und ging mit Jonas ins Wohnzimmer. Dort erzählte er ihm alles was er wusste. „Danke“ sagte Jonas leise. „Ich liebe sie. Du brauchst mir nicht zu danken!“ „Ich weiß“ Beide sahen auf die Uhr. Halb 4 Uhr morgens. Dann fiel ihr Blick auf das Sofa und beide fingen an zu grinsen. Lauri schnappte sich eine Decke und machte es sich neben Jonas gemütlich. Kurz bevor beide einschliefen murmelte Jonas noch „Was man(n) nicht alles für eine Frau tut…“ und spürte wie Lauri einen Arm um ihn schlang. Jonas grummelte und schlief dann auch ein. Um 7 Uhr piepste Lauris Handy, doch Lauri wachte nicht auf. Seufzend befreite sich Jonas von seinen Armen und weckte ihn. „ Hast du gestern nicht irgendwas von einem Termin gefaselt?“ fragte er dem verpennten Lauri. „Hmpf“ war seine deutliche Antwort und tapste ins Bad. Als er die Tür öffnete kam Wuschel herausgeschossen. Jonas hatte ihn gestern dort eingesperrt, weil er nachts immer zu ihm aufs Sofa gekommen war. „Wuschel du verfluchter Köter geh mir aus dem Weg“ hörte Jonas Lauri aus dem Bad fluchen. Er musste grinsen. „Das glaubt mir in Deutschland keine Sau. Mit Lauri auf einem Sofa. Das glaubt mir niemand…“ murmelte er amüsiert und ging leise in Lauris Schlafzimmer. Mia schlief noch. Beruhigt ging er in die Küche und kochte erstmal Kaffee. Lauri kam in die Küche gestürmt „Ahh Kaffee gut…“ er goss sich eine Tasse ein und schnappte sich einen Apfel. „Ich bin heute Nachmittag wieder da. Ich habe mein Handy dabei, wenn etwas sein sollte…“ „Ja ist gut aber ich denke wir kommen klar“ antwortete Jonas lächelnd. Lauri grinste und verließ die Küche. Wie zuvor Jonas schaute Lauri noch mal in sein Zimmer. Mia schlief immer noch wie eine Prinzessin. Kurz darauf hörte Jonas wie Lauris Auto die Garage verließ.

Jonas deckte den Frühstückstisch. Danach ging er in das Wohnzimmer und sah fern. Auf MTV lief gerade In The Shadows. Er bewunderte Lauri. Währenddessen wachte Mia langsam auf. Sie öffnete träge die Augen. „Wo bin ich?“ fragte sie verwundert, bis ihr wieder einfiel, dass Lauri sie heute Nacht aus dem Krankenhaus geholt hatte. Ihr war ihre Hysterie peinlich. Trotzdem fühlte sie sich prima und sie kuschelte sich in die schwarze Bettwäsche. Sie sog tief den Duft der Bettdecke ein, denn sie roch angenehm nach Lauri. Seufzend stand sie wenig später auf und sah an sich herunter. Sie hatte immer noch die Krankenhauskleidung an und sie fühlte sich in ihnen nicht wohl. Mia beschloss sich ein paar Klamotten von Lauri zu leihen und duschen zu gehen. Sie nahm sich eine Hose und einen Pullover und trat auf dem Flur. Dort wurde sie von Wuschel fast umgerannt. „Na nu wer bist du denn?“ fragte sie verwundert, während sie ihn streichelte. Jonas sah sie an. „Das ist Wuschel. Es ist dein Hund!“ „Oh…“ Mia sah ihn traurig an. „Hey das wird schon wieder. Willst du was essen?“ Mia überlegte kurz. „Ich dusch erst und danach esse ich etwas okay?“ sie wartete gar nicht ab und ging zielstrebig ins Bad. Jonas seufzte. So war sie früher schon gewesen. Immer ist sie ihm ausgewichen. Kopfschüttelnd ging er wieder ins Wohnzimmer.

Mia genoss die Dusche. Sie spürte sich endlich wieder. Als sie aus der Dusche trat begann sie zu frieren und so zog sie sich schnell, nachdem sie sich abgerubbelt hatte, an. Die Sachen waren ihr viel zu groß, doch gerade deshalb fühlte sie sich in ihnen so wohl. Als sie aus dem Badezimmer kam, sprang Wuschel gleich wieder auf sie zu. Er war so glücklich dass seine junge Herrin wieder bei ihm war. Sie ging in die Küche, schmierte sich ein Brötchen und schenkte sich eine Tasse Kaffee ein. Mia hatte eigentlich gar keinen Hunger, aber sie wusste, dass sich Jonas nur unnötig aufregen würde. Sie ging ins Wohnzimmer und begann zu essen. Jonas beobachtete sie, denn er wollte sicher gehen, dass sie auch wirklich was aß. Nachdem sie das Geschirr in die Küche gebracht hatte, ging sie auf den Balkon und setzte sich dort auf einen Stuhl. Jonas wollte ihr erst folgen, doch als er ihre abwehrende Haltung sah, respektierte er ihren Wunsch alleine zu sein. Jedoch machte er sich Sorgen, denn es war nicht gerade warm draußen. Außerdem überlegte er worüber sie wohl nachdachte. Er sah auf die Uhr. Bald musste Lauri wiederkommen.

Mia dachte nach. Sollte sie hier bleiben? Sie hatte solche Angst, dass den beiden etwas passieren könnte, wenn sie hier blieb, aber gleichzeitig wollte sie nicht weg, denn sie fühlte sich sehr wohl. Besonders in Lauris Nähe. In der Nacht waren noch weitere Erinnerungen zurückgekommen und sie hörte immer noch die drohende Stimme des Meisters im Kopf, dass er ihr kein Glück gönnen würde. Sie musste hier raus. Mia sah durchs Fenster in die Wohnung. Kein Jonas zu sehen. Sie schlich sich leise aus der Wohnung und ging Richtung Friedhof. Ihr Orientierungssinn hatte unter der Amnesie anscheinend nicht gelitten. Auf dem Friedhof fand sie sofort Ale’s Grab und setzte sich erschöpft auf den Boden. Obwohl Minusgrate herrschten, war ihr nicht kalt. Sie fühlte wieder diese riesen Leere in sich. Wieder einmal stürzten die Erinnerungen auf sie ein. Ale und sie. Glücklich. Sie sah seine Leiche. Blutüberströmt. Mia hasste sich dafür und ihre Gedanken schweiften zu Lauri ab. Sie hoffte inständig, dass ihm nie etwas passieren würde und sie fing bitterlich an zu weinen.

Zu Hause schrie Lauri gerade Jonas an. „WARUM HAST DU NICHT BESSER AUFGEPASST?!“ schrie er bitterböse. „WIE HÄTTE ICH DENN AHNEN KÖNNEN, DASS SIE ABHAUT?!“ brüllte Jonas zurück „ich gehe sie suchen. DU bleibst hier, falls sie zurückkommt.“ Sagte Lauri betont ruhig, riss seine Jacke vom Haken und verschwand wütend aus der Wohnung.

Wo war sie? Warum war sie gegangen? Lauri hatte das Gefühl, dass es mit ihrer Vergangenheit zusammenhing. Er musste sie finden, denn er wollte sie nicht noch einmal verlieren. Das würde er nicht aushalten. Er überlegte, wo er an ihrer Stelle hingehen würde. Vielleicht an den Strand? Lauri beschloss es darauf ankommen zu lassen und lief schnell dort hin. Doch dort war sie nicht. Eisige Kälte breitete sich in ihm aus. Der Friedhof… natürlich. Dort musste sie sein. Dieser Gedanke schoss ihm plötzlich durch den Kopf. Es war seine letzte Chance, denn es würde bald dunkel werden und dann würde es sehr schwer werden sie zu finden. Was alles passieren könnte, wenn sie nachts alleine draußen war, malte er sich erst gar nicht aus.

Lauri war erleichtert. Sie saß einsam und alleine vor Ale’s Grab. Mia sah so unheimlich verloren aus, so dass Lauri den Drang empfand sie einfach nur noch in seine Arme zu schließen und er ging auf sie zu. „Hey…“ sagte er leise. Mia erschrak und drehte sich ruckartig um. Lauri sah sie prüfend an. Er sah, dass sie geweint hatte und sie zitterte.

„Lauri… wieso bist du hier?“ fragte Mia. Ihre Stimme zitterte. „Weil ich mir Sorgen gemacht habe!“ Mia sah ihn an. Ihre Augen glänzten bedenklich. Eine Träne lief ihre Wange hinunter. „Du darfst dir keine Sorgen machen! Du darfst mir nicht folgen!“ Mia schrie Lauri verzweifelt an. „Du darfst mich nicht lieben“ Ihre Stimme war nur noch ein Flüstern. Lauri packte sie grob an den Schultern und schüttelte sie. „Jetzt hör mir mal zu. Ich weiß, dass du Angst hast, dass mir und Jonas was passiert, aber wir lieben dich beide und wollen für dich da sein!“ erklärte er ihr mit fester Stimme. „Aber Ale…“ Mia schüttelte verzweifelt den Kopf, wollte weggehen, doch Lauri ließ sie nicht los, umarmte sie fest. Wollte verhindern dass sie ging. Mia war machtlos. Sie spürte seinen Herzschlag und seine Wärme. Lauri drückte sie fest an sich. Wollte ihr von seiner Kraft abgeben. Beide blieben eine Zeit lang in dieser Stellung und Mia genoss es widerstrebend. Welche Gefühle hatte sie für Lauri? Darüber würde sie sich Gedanken machen, wenn sie Zeit dazu hatte. Lauri schob sie ein Stück von sich weg. Er war verwirrt. Was fühlte sie für ihn? Sein Gefühl sagte ihm, dass es jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür wäre, sie danach zu fragen, denn sie sah müde aus. Er legte ihr seine Jacke liebevoll um ihre schmalen Schultern und nahm ihre Hand. So gingen beide Richtung Lauris Wohnung. Mias neuem Zuhause.

Der Meister beobachtete grollend die liebevolle Geste. Er überlegte, welche Maßnahmen er dagegen am besten unternahm.

„MIA!!!“ Jonas rannte den beiden glücklich entgegen. Er schloss Mia in seine Arme. „Hau nie wieder ab, hörst du?“ „Ja…“ murmelte Mia erdrückt. Lauri tippte Jonas auf die Schulter „vielleicht solltest du sie mal loslassen, sonst erdrückst du sie noch!“ „ähh ja“ Jonas ließ Mia los, die erstmal tief einatmete. Kurz darauf gingen sie wieder in die Wohnung. „Habt ihr auch so Hunger wie ich?“ rief Lauri aus der Küche. „Ja klar“ kam prompt die Antwort von Jonas. „Mia?“ „hab keinen Hunger“ murmelte sie. Lauri sah sie besorgt an. „Du musst etwas essen“ fing auch Jonas an auf sie einzureden. „Muss ich gar nicht“ schrie Mia auf einmal und ging wütend auf den Balkon. Lauri ging ihr hinterher, stellte sich neben sie und zündete sich eine Zigarette an. Mia sah mit gerunzelter Stirn auf die Stadt hinaus. Lauri seufzte. „Warum möchtest du nichts essen?“ fragte er leise. „weil….“ Mia schwieg. „ich weiß nicht wieso…“ sagte sie dann leise. Lauri sah sie mit seinen Augen eindringlich an. „Dann mach es für mich!“ bat er sie. Mia sah nach unten. „Was gibt es denn?“ fragte sie grinsend. „Alles was du willst!“ Lauri fasste ihre Hand und zog sie in die Küche. Jonas sah Mia erleichtert an. Während des Essens dachte er daran, welch einen positiven Einfluss Lauri auf seine kleine Schwester hatte. Als sie gerade aufwuschen klingelte Jonas’ Handy. „Ja?“ meldete er sich und verschwand aus der Küche.

„Das könnt ihr nicht machen!“ ertönte kurz darauf Jonas’ Stimme. Er klang sauer. Mia und Lauri sahen sich verblüfft an. Jonas erschien wieder in der Küche. Er konnte Mia kaum in die Augen sehen „ich muss noch heute zurück nach Deutschland. Die Firma braucht mich“ murmelte er leise. Mias Augen füllten sich mit Tränen. „Hey ich bin doch nicht aus der Welt! Ich komm bald wieder ja?“ Jonas fasste sie an den Arm. Mia nickte gefasst.

Eine Stunde später standen alle in am Flughafen. Gerade wurde Jonas’ Flug durchgerufen. „ja ich muss wohl dann….“ Sagte er leise und ging auf Lauri zu. Beide klopften sich fest auf die Schultern. „Pass gut auf sie auf!“ murmelte Jonas Lauri zu, bevor er sich Mia zuwandte. Lauri nickte. Jonas schloss Mia fest in seine Arme. „Am liebsten würde ich dich gar nicht loslassen, Schwesterchen! Pass gut auf dich auf ja?“ Mia nickte traurig. „Bye“ Jonas winkte den beiden noch mal zu und verschwand dann. Ihr liefen Tränen über das Gesicht. „Hey…. Ich bin doch auch noch da…“ murmelte Lauri tröstend, bevor er sie in den Arm nahm. Mia vergrub ihr Gesicht tief in seiner Jacke. Sie genoss seine Wärme. Lauri hörte ihre leisen Schluchzer und strich ihr unablässig über den Rücken. „was ist, wenn ich ihn nie wieder sehe?“ fragte Mia schluchzend. „Sag so etwas nicht!“ antwortete Lauri bestimmt. „Wir können ja bald nach Deutschland fliegen….“ Schlug er gleich darauf vor. Mia löste sich aus seiner Umarmung. „Das wäre schön!“ sagte sie lächelnd. Sie sollte öfters lächeln dachte Lauri fasziniert und sie fuhren zurück nach Hause.

Sie stiegen aus dem Auto und gingen auf das Haus zu. Auf einmal stieß Mia einen erschreckten Schrei aus. „was ist los?!“ fragte Lauri verblüfft und sogleich besorgt. Mia zeigte auf Lauris Fenster im zweiten Stock. Im Fenster war ein großes Loch…. Mia bekam es mit der Angst und fasste Lauri ängstlich an die Hand. Lauri spürte, dass sie eiskalt war. „Komm, wir gehen hoch“ sagte er leise und sie öffneten die Haustür. Lauri hoffte inständig, dass Mia nicht merkte, dass er selber Angst hatte, denn er wusste, wenn er nicht stark sein würde, würde sie zusammenbrechen.

Beide betraten die Wohnung, jedoch ging Lauri als erstes hinein, denn er wollte Mia im Notfall Deckung geben. Im Wohnzimmer lag ein mit Papier umwickelter Stein. Überall waren Scherben verteilt. Lauri nahm den schweren Stein in die Hand und wickelte das Papier ab.

Lass die Finger von ihr! Sie gehört mir. Lauri atmete hörbar aus. „Steht etwas auf dem Zettel?“ fragte Mia und kam auf ihn zu. „Nein es steht nichts drauf“ sagte Lauri reflexartig. Er wollte sie nicht beunruhigen. In seinem Kopf arbeitete es. Was sollte er tun? Sie in Ruhe lassen? Nie im Leben. Mia nickte und hob Scherben auf. „Hey lass das du schneidest dich noch!“ versuchte Lauri sie zu warnen, doch es war schon zu spät, Mia hatte sich tief in die Hand geschnitten. Das Blut lief sofort aus der Wunde. Mia starrte ihre Hand an, während Lauri schnell ins Badezimmer lief um Verbandszeug zu holen. Als er zurückkam hatte Mia sich schon mehrmals in den Arm geschnitten. Das war das erste Mal seit dem Unfall, dass sie sich geritzt hatte. Lauri starrte entsetzt auf ihren Arm und auf die Scherbe. Er riss ihr sie aus der Hand. „Wieso hast du das getan?!“ fragte er lauter als gewollt. Mia zuckte zusammen. Sie wusste nicht wieso. Hatte es wie in einem Wahn getan. Sie sah ihn hilflos an. Lauri seufzte und desinfizierte die Schnitte und verband sie sorgfältig. Mia sah, während Lauri sie verarztete beschämt auf dem Boden. Sie wollte ihn nicht belasten. Dafür war er viel zu lieb zu ihr. Ihr war eines auf dem Flughafen bewusst geworden. Sie hatte sich in Lauri verliebt. Jetzt wusste sie nicht, wie sie es ihm sagen sollte. Wollte er sie überhaupt noch?! Sie war nichts als eine Belastung…

Lauri fing an zu sprechen. „Ich muss morgen in die Stadt. Willst du mit? Du könntest ein paar neue Klamotten gebrauchen! Meine Sachen sind dir ja viel zu groß!“ er ging bewusst nicht auf ihre Aktion von eben ein, denn er wusste nicht so wirklich, wie er damit umgehen sollte. Lauri wusste nur, dass er alles tun würde, um ihr zu helfen und sie zu schützen. „Ja das wäre keine schlechte Idee… ich brauch wirklich ein paar eigene Sachen“ antwortete Mia und sah an sich hinunter. Sie trug schon wieder Sachen von ihm. Lauri lächelte sie an. Er war beruhigt, denn er hätte morgen mit dem Wissen, dass sie in der Wohnung alleine ist, keine ruhige Minute gehabt…

Mia diskutierte mit dem Bankangestellten. Sie wollte Geld von ihrem Konto abheben. Wozu hatte sie sonst das ganze Geld von Ale geerbt? Doch sie konnte sich dummerweise nicht an die Geheimnummer erinnern. Sie versuchte dem Bankangestellten die Situation zu erklären, aber er glaubte ihr nicht. Wütend redete sie auf ihn ein. Lauri hielt sich im Hintergrund. Mia hatte ihm gesagt, dass sie kein Geld von ihm wollte und die Bankgeschichte ihre Sache war. Also hielt er sich brav raus. Er beobachtete fasziniert Mia. Lauri hatte sie noch nie so sauer erlebt und fragte sich was für Überraschungen ihn noch erwarteten. Mia knallte währenddessen ihre Bankkarte mitsamt Personalausweis auf den Tresen. Genervt sah sie zu wie der Angestellte beide Dinge überprüfte.

5min später hatte sie endlich ihr Geld. Sie war stolz auf sich. Es war das erste Mal nach dem Unfall, dass sie etwas ohne Hilfe geschafft hatte. Ohne Lauris Hilfe. Lauri… Mia seufzte. Wie sollte sie es ihm zeigen? Würde er ihr wehtun? Würde ihm etwas geschehen? Der Stein von gestern war eindeutig. Sie schreckte aus ihren Überlegungen auf. Woran sie wohl gedacht hat? Fragte sich Lauri. Mia steckte das Geld ein und sah den Angestellten sauer an. „Ich werde hier mein Konto auflösen! Scheiß Service!“ mit diesen Worten verließ sie wutschnaubend die Bank. Lauri beachtete sie gar nicht. Der ging schweigend hinter ihr her.

Mia achtete gar nicht auf ihre Umwelt. Sie konzentrierte sich allein auf ihren Zorn und lief auf eine stark befahrende Straße zu. Warum wird sie nicht langsamer? Wunderte sich Lauri. Mia kam dem Straßenrand immer näher. Achtete nicht auf das warnende Hupen der Autos. Setzte einen Fuß auf den Bordstein. Einen auf die Straße. Noch einen. Ein LKW fuhr auf sie zu. Er war zu schnell um noch bremsen zu können…. „NEIN“ schrie Lauri entsetzt und riss Mia im letzten Moment von der Straße. Der LKW fuhr hupend an ihnen vorbei. Beide fielen aufeinander an den Straßenrand. Mia lag oben. „Mann das war knapp“ keuchte Lauri. Mia machte nicht die geringsten Anstalten von ihm zu rutschen. „Ich weiß… ich hab einfach nicht aufgepasst ich war so sauer…“ versuchte sie sich stotternd zu entschuldigen. Lauris Augen verwirrten sie. Sie sah im tief in die Augen. Ihre Hand strich vorsichtig seine Wange entlang. Beide spürten die Anziehungskraft des anderen und ihre Lippen näherten sich langsam, als ob sie die Spannung nicht kaputt machen wollten. Sie berührten sich vorsichtig. Lauri und Mia konzentrierten sich nur auf sich selbst und achteten nicht auf die Autos und auch nicht auf die Menschen, die ihnen zusahen. Mia löste sich von ihm und stand auf. Ihr war es peinlich und sie sah auf den Boden. Lauri hob ihr Kinn und sah ihr in die Augen. Mias Zweifel waren im Nu verflogen und sie nahm Lauris Hand. Zu mehr war sie im Moment nicht im Stande. Lauri akzeptierte es, denn er wollte sie nicht drängen. Er war so schon überglücklich, dass sie ihn von sich aus geküsst hatte. Sie gingen Händchen haltend Richtung Stadt. Dieses Mal hatte diese Geste eine ganz andere Bedeutung als damals als sie vom Friedohof zurückgekehrt waren. Beide bemerkten nicht die Gestalt, die hinter ihnen tobte.

Lauri und Mia hatten in der Stadt viel Spaß und sie kehrten voll beladen und erschöpft in die Wohnung zurück. Mia lies sich müde auf den Sessel fallen, während Lauri die Taschen verstaute. Er fiel dabei fast über Wuschel, der winselte. „Ich glaube, der Hund muss noch mal raus!“ rief er und ging zum Sessel. Er umarmte sie von hinten mit beiden Armen. Mia streichelte ihn. Lauri zog sich wieder zurück, denn er hatte gemerkt, wie sich Mia für kurze Zeit verkrampft hatte. „Bleib du hier und ruh dich aus! Ich drehe mit Wuschel eine kurze Runde im Park!“ sagte er und drückte ihr einen zarten Kuss auf die Wange. Mia lächelte ihn an und fragte sich, womit sie ihn verdient hatte. Lauri winkte ihr kurz zu und verschwand Richtung Park. Es dämmerte schon und Lauri schlug eine schnellere Gangart ein. Er wollte gerade einen Stock werfen, als Wuschel zu knurren anfing. Eine schwarz gekleidete Person kam auf sie zu. Lauri runzelte die Stirn. Der Schlag in die Magengrube kam so unerwartet, so dass Lauri sich gar nicht wehrte. Er stöhnte und wollte aufstehen, jedoch bekam er sofort wieder einen Tritt in den Unterleib. Lauri krümmte sich zusammen. Die Person riss ihn am Kragen hoch und ignorierte das böse Knurren von Wuschel. „LASS DIE FINGER VON IHR“ zischte er Lauri zu und dieser erkannte die Stimme des Meisters. Lauri schüttelte trotz der Schmerzen entschlossen den Kopf. Der Meister lachte leise. „Du wirst schon sehen, was du davon hast…du bist so blöd… rennst hier im Park rum, während Mia schon tot sein könnte“ Lauri beherrschte sich mühsam und starrte den Meister wutentbrannt an. Tief im Inneren hatte er jedoch panische Angst um Mia. Der Meister winkte ihm kurz zu und verschwand so schnell wie er gekommen war. Lauri verschnaufte einen kurzen Moment und machte sich dann so schnell wie er konnte zurück auf den Weg zur Wohnung…

Er sah hoch zu den Fenstern. Alles war dunkel. Hatten sie Licht angemacht? Er wusste es nicht mehr. Sein Kopf war wie leergefegt. Es war nur noch ein einziger Gedanke da: Mia. Der Gedanke ließ ihn seine Schmerzen vergessen und er hastete die Treppen hoch, schloss auf und stürmte in die Wohnung. Machte Licht an und lief ins Wohnzimmer….

Sie schlief!! Lauri fiel ein Stein vom Herzen. Mia ging es gut und schlief friedlich eingekuschelt im Sessel. Er atmete erleichtert aus und stöhnte kurz . Sein Bauch tat höllisch weh. Mia räkelte sich und wachte auf. Sie drehte sich rum und lächelte Lauri an. Dieser erwiderte das Lächeln erleichtert. Mia stand auf und kam auf ihm zu. Sie schlang die Arme um ihn und kuschelte sich an seine Brust. „Ich hab dich vermisst“ flüsterte sie leise. „Ich dich auch…ich dich auch“ antwortete Lauri leise und drückte sie an sich. Wollte sie nicht mehr loslassen… Tastete sie ab, als ob er sich vergewissern wollte, dass alles heil war. Mia genoss die Umarmung und seine sanften Berührungen sehr. In seinen Armen vergaß sie die Erinnerungen an die Vergewaltigungen und sie fühlte sich sicher. Trotzdem waren da noch Zweifel. Tief in ihrem Inneren wusste sie, dass der Meister ihr früher oder später das Glück nehmen würde, doch Mia hatte beschlossen den Moment zu genießen. Sie gähnte. „Bist du müde?“ fragte Lauri sofort. Sie nickte. „Dann geh doch ins Bett“ schlug er sanft vor und strich ihr kurz über die Wange. Er selbst machte sich auf den Weg zum Sofa. Mia bekam sofort ein schlechtes Gewissen, dass er wegen ihr auf dem Sofa schlafen musste. Sie überlegte kurz. „Du kannst…. Du kannst auch bei mir im Bett schlafen“ sagte sie zögernd. Lauri sah sie eindringlich an. „Bist du sicher?“ Mia nickte entschlossen und ging ins Schlafzimmer, legte sich dort unter die Decke und wartete, dass Lauri aus dem Badezimmer kam. Kurze Zeit später tapste er im Dunkeln zum Bett und legte sich neben sie. Mia bereute ihre impulsive Entscheidung. Würde sie ertragen können mit einem Mann in einem Bett zu liegen? Mit Ale hatte sie nie…. Er hatte sie verstanden und trotzdem geliebt…. Doch würde Lauri auch? „Alles in Ordnung?“ fragte Lauri besorgt. „Ja ja…“ murmelte Mia und drehte sich auf die Seite. Lauri tat es ihr gleich, hielt jedoch Abstand, da er das Gefühl hatte, dass Mia mit seiner Nähe ein Problem hatte. Er beschloss ihr Zeit zu lassen und war einfach nur froh, dass er sie in seiner Nähe hatte, damit ihr nichts passieren konnte. Kurz darauf schlief er wie Mia ein.

Mitten in der Nacht wachte Mia auf. Lauri hatte fest seine Arme um sie geschlungen und sie spürte seinen Atem im Nacken. Sie kuschelte sich näher an ihn, da ihr etwas kalt war. Sofort breitete sich wohlige Wärme über in ihr aus. Ich kann ihm vertrauen… dachte Mia und fiel wieder in tiefen Schlaf….

„Nein… bitte… nicht….“ Es war 5 Uhr morgens und Mia wälzte sich hin und her. Tränen liefen ihr die Wangen hinunter und sie zitterte. Lauri wachte auf und war sofort hellwach. Er rüttelte sie. „Wach auf… Mia wach auf!!“ „NEIN LASS MICH LOS“ schrie Mia entsetzt als sie aufwachte. Lauri lockerte seinen Griff um ihre schmalen Schultern etwas. „Ich bins Lauri.“ Sagte er leise. Mia schluchzte auf. Lauri kam es vor, als ob ihm die Eingeweide herausgerissen würden. Er nahm sie vorsichtig in den Arm. Versuchte sie zu trösten. Ihre langen, quälenden Schluchzer zerrissen ihm fast das Herz….

Mias Atem verlangsamte sich und ihre Schluchzer wurden weniger. Sie löste sich von Lauri und ließ sich in die Kissen zurücksinken. Sie schämte sich. Warum musste sie immer in Tränen ausbrechen, wenn sie geträumt hatte? Warum brauchte sie immer Hilfe? Warum konnte sie nicht einfach ein fröhlicher Mensch sein? Lauri beobachtete sie. An was sie wohl dachte? „Ich schäme mich…“ brachte sie schließlich hervor. „Wieso?“ fragte Lauri verwirrt. „Ich brauche immer Hilfe…Ich kann nichts alleine! Jonas und du, besonders du, geben mir so viel und ich kann nichts zurückgeben! Das ist nicht richtig…“ versuchte sie zu erklären. Lauri überlegte kurz und als die Stille erdrückend wurde fing er an zu sprechen. „Um anderen zu helfen sind Freunde da! Und wenn du denkst, dass du nichts zurückgibst, ist es eine Lüge! Du gibst mir mehr als ein anderer Mensch mir jemals geben könnte, weil ich dich…..“ Lauri wurde unterbrochen „weil du mich liebst…“ schloss Mia für ihn und Lauri nickte. Sie strich Lauri kurz über dem Arm und drehte sich rum um wieder zu schlafen. Lauri seufzte innerlich. Warum wich sie ihm immer wieder aus?! Auch er legte sich auf die Seite und versuchte zu schlafen. „Lauri? Bist du noch wach?“ ertönte auf einmal leise Mias Stimme. „mmh“ „Kannst… Kannst du mich in den Arm nehmen?“ Lauri hörte an ihrer Stimme, dass es ihr peinlich war. Er rutschte näher an sie heran und schlang die Arme um sie. Zufrieden schliefen beide ein. Sie schliefen bis zum Morgen eng aneinander gekuschelt, doch die Idylle trog, denn der Meister machte sich gerade auf den Weg nach Deutschland um seinen teuflischen Plan in die Tat umzusetzen…

Am nächsten Morgen entdeckte Lauri einen großen, blauen Fleck auf seinem Bauch. Er zog sich schnell ein T-Shirt an, damit Mia sich keine Sorgen machte und womöglich von seiner Begegnung mit dem Meister erfuhr. Mia deckte währenddessen den Frühstückstisch. Als Lauri in die Küche kam, war schon alles fertig. „Morgen Dornrösschen!“ Mia hatte die restliche Nacht gut geschlafen und fühlte sich besser denn je. Sie drückte Lauri fröhlich einen Kuss auf den Mund. Lauri beobachtete wie „seine“ Prinzessin sich Marmelade auf ihr Brot strich. Er war etwas verblüfft, als Mia ihm das Brot vor dem Mund hielt. Lauri biss vorsichtig ab „Schmeckt gut“ nuschelte er. „Stammt ja auch von mir“ Mia lächelte ihn verschmitzt an. Lauri grinste „Stimmt dann kann es ja nur gut sein!“ er hielt ihr sein Brot mit Käse hin. Wie zuvor Lauri kaute Mia bedächtig. 2 Brote später waren sie satt und sie überlegten was sie mit dem angebrochenen Tag anstellen könnten. Beide beschlossen einen Ausflug ins Grüne zu machen. Sie wollten den Urlaub von Lauri ausnutzen. Mia wollte noch gar nicht daran denken, wie es wohl werden würde, wenn Lauri längere Zeit unterwegs wäre. Vorher wollte Mia jedoch Jonas anrufen.

„Hey ich bin’s wie geht’s dir??“ meldete sich Mia, als Jonas ans Handy ging.
„Hi Schwesterherz! Jetzt wo du anrufst geht’s mir gut.“ Mia konnte die Freude in seiner Stimme hören und lächelte glücklich.
„Mir geht’s gut… obwohl ich dich vermisse“ fuhr Jonas fort und seufzte.
„Ich vermiss dich auch“ antworte Mia wehmütig.
„Da kann man ja glatt eifersüchtig werden“ flüsterte Lauri ihr ins Ohr und drückte sie an sich. Mia kicherte.
„Was ist denn nu los?“ fragte Jonas verwirrt. Seine Schwester erklärte es ihm lachend.
„Ahja“ Mia sah sein breites Grinsen vor sich und grinste breit. Sie war so glücklich, dass es ihr schon unheimlich war.
„Jonas ich muss jetzt aufhören. Lauri und ich wollen einen Ausflug machen.“
„Ja ist gut… ich wünsche euch viel Spaß! Hoffentlich sehen wir uns bald wieder“
„Ja hoff ich auch…“ murmelte Mia
„Hab dich lieb“ flüsterte Jonas in sein Handy
„Ich dich auch“ antwortete Mia und legte auf.

Lauri hatte sie immer noch fest umschlossen. „Ich vermiss ihn so….“ murmelte Mia traurig. „Bald muss ich beruflich nach Deutschland… dann kannst du ja mitkommen…“ versuchte Lauri sie zu trösten. Er mochte es nicht, wenn sie traurig war. Mia lächelte glücklich und küsste ihn zärtlich. Sie kuschelte sich an ihn und genoss seine Wärme. Bald darauf verließen sie die Wohnung, wobei Lauri immer darauf achtete, dass sie in seiner Nähe war. Er wusste ja nicht, dass ihr in Finnland im Moment keine Gefahr drohte.

Sie verbrachten einen wunderschönen Tag im Grünen. Mia war sich sicherer denn je, dass sie sich in Lauri verliebt hatte und dass sie ihn liebte. Sie wollte ihn nie verlieren, deshalb hatte sie auch solche Angst, dass ihm das Gleiche wie Ale zustoßen könnte. Bei der kleinsten Warnung vom Meister verschwinde ich dachte Mia entschlossen. Am Abend beschloss sie mit Ale endgültig abzuschließen. Sie ging mit Lauri, der darauf bestand sie zu begleiten, zum Friedhof. Mia bat ihn in einiger Entfernung zum Grab mit Wuschel auf sie zu warten.

Als sie beim Grab ankam, nahm sie die weiße Rose, die sie gekauft hatte, und legte sie auf sein Grab. „Es tut mir so leid… ich wünschte, ich wäre an deiner Stelle tot…“ flüsterte sie erstickt und starrte auf den Grabstein. Kurz darauf sah sie Lauri an, der geduldig auf sie wartete. Sie lächelte. „Leb wohl Ale, ich werde dich nie vergessen“ nahm Mia Abschied und lief schnell zu Lauri. Sie nahm Lauris Hand und zog ihn Richtung Strand. Dort drehte sie sich lachend im Kreis und hielt sich dann an Lauri fest, da ihr schwindlig war. Es schien, als ob ihr eine große Last genommen wäre.

„Ich liebe dich Lauri!“ sagte sie leise. Lauri versank wieder in dem Blau ihrer Augen, die wie das Meer schimmerten. Als sie diese Worte sagte, durchströmte Lauri ein Glückgefühl, was stärker war, als alles andere, was er jemals gefühlt hatte. „Ich liebe dich auch“ flüsterte Lauri zurück. Sie standen lange eng umschlungen am Strand und küssten sich. Für Lauri war ein Traum in Erfüllung gegangen. Mia liebte ihn vom ganzen Herzen. Doch da war immer noch der Meister. Würde er sie jemals in Ruhe lassen? Er legte schützend einen Arm um ihre Hüfte und sie gingen langsam zurück zur Wohnung. Mia merkte zwar, dass Lauri tief in Gedanken versunken war, jedoch sprach sie ihn nicht darauf an und schwieg.

Schweigend kamen sie an. In der Wohnung lief Wuschel gleich zu seinem Körbchen, da er am Strand ziemlich rumgetollt hatte. Mia füllte noch einmal seinen Futternapf nach. Lauri beobachtete sie lächelnd und ging dann ins Wohnzimmer um sich umzuziehen. Argwöhnisch betrachtete er den blauen Fleck im Spiegel. Er tat immer noch weh. Lauri wollte sich gerade sein Schlafshirt anziehen, als Mia lächelnd den Raum betrat.

Ihr Lächeln verschwand schlagartig und sie ging besorgt auf Lauri zu. „Wie ist das passiert?“ fragte sie leise und Lauri konnte Angst in ihren Augen sehen. Er zuckte zusammen, als sie sanft über den blauen Fleck strich. „Oh sorry“ Mia zog schnell ihre Hand zurück „also wie ist es passiert?“ sie sah Lauri fordernd an. Lauri rang mit sich. Sollte er es ihr sagen oder nicht?
„Ich hab…. Ich hab mich gestoßen“ stotterte Lauri schließlich. Mia schüttelte ungläubig den Kopf. Lauri senkte beschämt den Kopf. „Setz dich“ sagte er schließlich und deutete auf sein Bett. Mia setzte sich und sah ihn abwartend an.

Lauri ging im Zimmer auf und ab. „Als ich im Park war, da…“ fing er an und brach ab. „Ja was war da?“ hakte Mia nach. „da kam der Meister auf mich zu und hat mich niedergeschlagen…“ Mia wurde kreidebleich. Ihr schlimmster Alptraum war wahr geworden. Was würde als nächstes kommen? Würde Lauri dann auch nur einen blauen Fleck davon tragen? Bei diesen Gedanken fing sie unweigerlich an zu zittern und ihr wurde eiskalt. Lauri merkte es und ging auf sie zu und nahm sie in die Arme. „Ich habe Angst…“ murmelte sie leise. „Hey das wird schon!“ Lauri wollte ihr nicht sagen, dass er auch Angst hatte, denn dann würde sie ihn vielleicht verlassen. „Versprich mir dass du aufpasst….“ Forderte Mia von ihm. Lauri nickte. Mia kuschelte sich scheinbar beruhigt an ihn, jedoch tief in ihrem Inneren wusste sie, dass in naher Zukunft etwas Schreckliches passieren würde. Wie Recht sie damit hatte würde sie erst am nächsten Tag erfahren….

Die beiden frühstückten gerade, als das Telefon klingelte. „ja?“ meldete sich Lauri und hörte gespannt zu. „Wollen wir heute etwas mit Aki unternehmen?“ fragte er leise und hielt seine Hand über die Muschel. Mia nickte. Sie freute sich, denn dann könnte sie seine Freunde kennen lernen. Mia war glücklich, denn Lauri wollte sie offensichtlich an seinem Leben teilhaben lassen. Das Gespräch von gestern Abend und den blauen Fleck hatte sie nicht vergessen, jedoch hatte sie beschlossen sich vorerst keine Gedanken darüber zu machen. Wie leichtsinnig es auch klang, aber sie wollte die Zeit mit Lauri einfach genießen, solange es ging.

Sie trafen sich am Hafen. Aki war schon da und hielt ihr lächelnd seine Hand hin. „Ich bin Aki und du musst die Frau sein, die Lauri den Kopf verdreht hat!“ Mia lachte. „Stimmt ich bin Mia.“ Mia war Aki sehr sympathisch und er konnte verstehen, warum Lauri sich in sie verliebt hatte. Ihre langen, schwarzen Haare und die eisblauen Augen waren einfach der Hammer. Mia hatte trotz des schönen Wetters einen Pullover angezogen, denn sie wollte nicht riskieren, dass sich seine Freunde sich gleich von ihr abwenden würden, wenn sie ihre Arme sahen. Sie waren immer noch ein schlimmer Anblick. Total verkratzt und vernarbt. Mia konnte sich noch zu gut an die Tage erinnern, an denen sie sich die Wunden zugefügt hatte. Sie bekam dann immer eine Stinkwut auf den Meister, der ihr das alles angetan hatte. In ihrem Inneren ruhte aber auch eine Resignation, denn im Grunde hatte sie sich das alles selber eingebrockt.

Sie konnte immer noch den Druck, den Drang und den Zwang sich zu ritzen spüren. Gestern Abend hatte sie wieder das Gefühl es tun zu müssen, jedoch hatte sie ihre ganze Willenskraft dafür verwendet es nicht zu tun, denn sie wollte Lauri nicht noch mehr belasten. Mia wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Lauri ihr die Hand drückte. „Woran denkst du?“ flüsterte er. „Nix besonderes. Nur daran wie froh ich bin, dass ich dich habe“ log Mia, jedoch entsprach ihre Notlüge durchaus der Wahrheit. Lauri lächelte sie glücklich an und küsste sie sanft. Aki beobachtete die beiden nicht ohne Neid. Er hätte auch gerne jemanden, der ihn liebte. Dass die beiden sich liebten, konnte jeder Laie auf Anhieb sehen. Aki hatte Lauri schon lang nicht mehr so ausgelassen gesehen und freute sich für ihn.

Mia und Aki verstanden sich super und alle 3 verbrachten einen wunderschönen Tag in Helsinki. Lauri hielt die gesamte Zeit Mias Hand und er war ein wenig eifersüchtig auf Aki. Er musste sich erstmal dran gewöhnen, dass es in Mias Leben in Zukunft auch andere Männer, auch wenn es nur Freunde waren, geben würde. Bis jetzt hatte er Mia ganz alleine für sich und dass er sie teilen musste, war neu für ihn.

Mia fühlte sich spitze. Die Beiden hatten ihr jeden Wunsch von den Lippen abgelesen und da sie zu dritt unterwegs waren, war es auch recht unwahrscheinlich, dass der Meister Lauri noch einmal angriff.

Später in der Wohnung küssten sich Lauri und Mia zärtlich bei geöffneter Balkontür. Die Sterne und der Mond warfen ein sanftes Licht auf das Paar und das Glück schien den beiden ganz alleine zu gehören. Wie immer konnte Mia an Lauris Seite ihre Vergangenheit vergessen, da sie ihm völlig vertraute und sich bei ihm einfach wohl fühlte. Beide spürten wie sich die Atmosphäre zwischen ihnen veränderte. Mia küsste Lauri leidenschaftlicher und dieser erwiderte ihren Kuss zögernd. Er wollte sie nicht drängen und sie sollte selber entscheiden wann es passieren sollte. Mia spürte sein Zögern und sie ließ ihre Hand unter sein Shirt wandern. Sie strich über seinen muskulösen Oberkörper (*sabber* *hust*). Lauri spürte (er spürt nicht nur das), dass sie es wirklich wollte und zog sie in das Schlafzimmer. Langsam knöpfte er Knopf für Knopf ihrer Bluse auf und fuhr zärtlich den Konturen ihres BHs entlang. Mia machte sich an seinem Shirt zu schaffen und zog es ihm über den Kopf. Kurz darauf lernte Mia eine völlig neue Welt kennen………..

Für Mia war es das erste Mal, bei dem sie es auch wollte. Glücklich kuschelte sie sich an ihn und schlief ein. Kurz darauf trat auch Lauri die Reise in das Land der Träume an.

Am nächsten Morgen fiel es Lauri sehr schwer, sich von der schlafenden Mia zu trennen, jedoch wollte er noch etwas besorgen, bevor sie aufwacht. Er sah sie selig lächelnd an. Sie wusste nicht, wie glücklich sie ihn gestern gemacht hatte. Fröhlich vor sich hersummend verließ er die Wohnung und machte sich schnell auf den Weg…

Als er zurückkam schlief Mia immer noch. Er machte Frühstück und dekorierte alles auf einem Tablett. Den Briefumschlag lehnte er an die Vase mit Blumen. Kurz darauf trug er vorsichtig das Tablett ins Schlafzimmer. Er stellte es auf den Nachtspind und beugte sich über Mia. „Guten Morgen“ hauchte er in ihr Ohr und strich ihr über die Wange. Mia räkelte sich „Morgen…“ murmelte sie schläfrig und zog Lauri zu sich herunter. Lauri dachte, dass jeder Tag so anfangen könnte. Neugierig lugte Mia über Lauris Schulter. „Frühstück!!“ rief sie erfreute und krabbelte über Lauri zu dem Tablett. „was ist denn das? Darf ich aufmachen?“ fragte sie und hielt den Umschlag in den Händen. „Nein erst essen!“ bestimmte Lauri. Also frühstückten sie gemütlich, obwohl Mias Blick immer wieder zu dem unscheinbaren Umschlag wanderte. Als sie endlich fertig waren riss Mia wie ein kleines Kind an Weihnachten den Umschlag auf. Lauri beobachtete sie lächelnd. „EIN FLUG NACH DEUTSCHLAND!!!“ Mia fiel Lauri glücklich um den Hals. „Gefällt dir meine Idee?“ fragte Lauri lächelnd. „Na klar! Aber….“ Mia stockte. „was aber?“ fragte Lauri leise. „das ist meine Heimat…. Ich weiß nicht, aber ich habe Angst. Dort ist der Orden und alles… was ist, wenn dir etwas passiert? Oder Jonas?“ Mias Gesichtsausdruck, der erst glücklich war, zeigte Angst. „Hey uns passiert nichts! Hörst du?“ versuchte Lauri sie zu beruhigen, doch es nützte nichts und Mia brach in Tränen aus. „der Orden hat mir alles genommen! Erst Jonas, dann Ale“ Sie klammerte sich an Lauri, als wäre er der Rettungsanker. „Ich passe auf… wir bleiben für immer zusammen.“ murmelte Lauri in ihr weiches Haar. Sie blieben lange so sitzen und erst am späten Abend fingen sie an zu packen. Wuschel wollten sie bei der Nachbarin lassen. Am nächsten Morgen sollte es losgehen.

Aki fuhr sie zum Flughafen und wünschte ihnen viel Spaß. In ein paar Tagen würden sie wieder zurück sein, da Lauri wichtige Termine hatte. Den Flug überstanden sie gut und am Flughafen warteten sie ungeduldig auf Jonas. Eigenartigerweise wurde Lauri von niemandem erkannt. Das war zur Abwechslung mal recht angenehm und Lauri genoss es. „Da ist er!!“ rief Mia auf einmal und fuchtelte aufgeregt mit ihrem Arm. Lauri sah Jonas grinsend an. Jonas umarmte Mia glücklich. Danach trat er auf Lauri zu und umarmte auch ihn. Lauri erwiderte seine Umarmung erst zaghaft, denn er hatte nicht damit gerechnet. „Du hast sie mir wieder gebracht, Lauri danke!“ murmelte Jonas in Lauris Ohr. „Keine Ursache“ antwortete Lauri leise und nahm Mias Hand. In Deutschland wollte er noch mehr auf sie aufpassen als sonst.

Sanft strich er ihr über den Handrücken. Mit Mia in ihrer Mitte begaben sich die 3 zu Jonas’ Auto.
„Du wohnst immer noch hier?“ fragte Mia verblüfft, als sie anhielten. „Ja klar ich habe keinen Grund gesehen umzuziehen! Außerdem solltest du mich finden können, wenn du wiederkommst. Ich habe immer gewusst dass du zurückkommst!“ antwortete Jonas. Mia nickte nur und betrat die Wohnung. Lauri folgte ihr neugierig. Endlich lernte er einen neuen Teil von Mias Vergangenheit kennen. Er ging mit Jonas auf den Balkon und unterhielt sich mit ihm. Beide wussten, dass Mia erstmal ein wenig Zeit für sich allein brauchte.

Mia betrat ihr altes Zimmer. Jonas hatte nichts verändert. Es war alles noch genauso wie an dem Tag, an dem sie ihn verlassen hatte. Sie erinnerte sich an ihr altes Tagebuch. Der Zeuge ihrer Qualen. Es lag tatsächlich noch unter dem losen Dielenbrett. So verstaubt wie es war, konnte Mia davon ausgehen, dass niemand es angerührt hatte. Sie war sehr erleichtert darüber, denn das alte Buch offenbarte ihr Inneres. Zitternd schlug sie es auf und es fielen 2 Fotos heraus. Auf dem ersten Bild waren sie, Jonas und ihre Eltern. Das Foto war kurz vor dem Unfall entstanden. Bis heute hatte Mia nicht verstanden, warum ihre Eltern so früh sterben mussten. Viel lieber wäre sie gestorben. Auf dem zweiten Foto waren sie und Matthias, ihr Ex. Die Person, der sie die Qualen zu verdanken hatte. Er hatte sie in den Orden eingeführt und sie hatte ihm vertraut. Hatte seinen Worten, das alles ganz harmlos sei, geglaubt. Dafür hasste sie ihn, aber noch mehr hasste sie sich selbst. Hasste sich wegen ihrer Leichtsinnigkeit, ihrer Naivität. Mia blätterte weiter und fing an zu lesen…. Die alte Verzweiflung, die Angst und die Qualen schlugen wieder auf sie ein, drohten sie zu erdrücken.



27.10.2002 Liebes Tagebuch,

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Wie konnte ich nur darein geraten? Heute war es besonders schlimm. Ich kann es nicht mehr ertragen. Die Berührungen. Den Geruch. Kann mich im Spiegel nicht mehr ansehen. Ich bin der Abschaum. Kann die Schreie nicht mehr hören und doch höre ich sie ständig. Ritze mich wieder. Verletzte mich. Es tut so gut. Kann nicht anders. Muss es tun. Will mich davon abhalten, aber wie von Geisterhand schneide ich mich immer wieder. Kratze mich. Beobachte wie das Blut den Arm runter läuft. Mein Blut. Hasse mich so sehr. Ich will mich nicht mehr leben. Es fühlt sich an, als ob ich innerlich verblute. Niemand sieht es. Es geht ganz langsam. So schmerzhaft und qualvoll. Ich habe nichts anderes verdient. Fühle mich so kraftlos. Der Meister tritt auf mir rum, bis er mich zerstört hat…

Jeden Tag sehe ich Jonas’ Besorgnis. Kann ihm nicht in die Augen sehen. Kann meine eigenen Augen noch nicht einmal ertragen. Habe Angst, dass er sieht wie verzweifelt ich bin. Wie kaputt ich bin. Ich kann ihn einfach nicht ansehen. Jede Nacht werde ich von Alpträumen gequält. Will hier raus. Jeden Morgen wache ich wieder auf. Schweißgebadet. Angstschweiß. Jeden Morgen gehe ich hinaus auf die Straße. In ein neues Szenario des Horrors. Warum wache ich immer auf? Warum jedes Mal?

Bitte lieber Gott, wenn es dich gibt, erlöse mich und lass mich sterben! Bitte!

Die Seite war voller Blutflecken. Ihr Blut. Zeichen für ihren Schmerz. Die Schrift war tränenverschmiert. Auch jetzt tropften unablässig Tränen auf das Papier. Mia war einfach von dem Eintrag überwältigt worden. Alles was sie verdrängt hatte, war wieder da.

Sie saß weinend am Schreibtisch. Mia konnte immer noch ihre Schmerzen von damals spüren. Ihre Arme waren der lebendige Beweis. Konnte ihren Wunsch zu sterben verstehen. Lauri betrat leise das Zimmer und sah Mia mit zuckenden Schultern am Schreibtisch sitzen. Besorgt lief er zu seiner Freundin. Er sah kurz auf den Schreibtisch und sah das aufgeschlagene Buch. Das Blut. Die Tränen und er begann zu verstehen. Lauri zog sie sanft auf die Füße und strich ihr die Tränen aus dem Gesicht. Mia war jedoch so aufgewühlt und fing an zu schluchzen. Lauri wusste sich nicht anders zu helfen und hielt Mia einfach nur fest. Umschloss sie mit seinen Armen. Umschloss sie mit seiner Wärme, seiner Kraft und mit seiner Liebe.

Mia erinnerte sich an die letzten Zeilen. Damals hatte sie keinen Zweck mehr in ihrem Leben gesehen. Hatte geglaubt, dass sie Jonas mit ihrem Tod eine schwere Last nehmen würde. Heute war jedoch alles anders. Jetzt wusste Mia, dass sie Jonas nie eine Last war und dass er sie liebte und brauchte. Wieder wurde ihr die Tragweite ihres Verschwindens von damals bewusst. Ja und jetzt war Lauri in ihr Leben getreten. Ihre große Liebe. Allein er war der Grund weiterzuleben. Mia krallte sich in Lauris Pulli und ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Ja sie wollte mit ihm alt werden….

Nur da gab es ein Problem, was Mia beseitigen musste: Den Meister. Sie wusste, dass sie nur ein ruhiges Leben mit Lauri haben konnte, wenn der Meister sie für immer in Ruhe lassen würde… Ihr Gedankengang wurde unterbrochen, als Jonas das Zimmer betrat.
„Alles okay?“ fragte er besorgt, als er Mias verweintes Gesicht sah. Langsam löste sie sich aus Lauris Umarmung und nickte. „Alles okay…“ antwortete sie.
„gut dann können wir ja jetzt essen!“ Lauri und Mia folgten Jonas in die Küche und setzten sich an den gedeckten Tisch. Es gab Mias Lieblingsessen und alle langten gut zu. Als sie gerade fertig waren, sprang Mia plötzlich auf und rannte ins Bad. „gibt es da etwas was ich wissen sollte?!“ fragte Jonas Lauri grinsend. „du meinst…. Du meinst sie ist schwanger?!“ Lauri war perplex. Natürlich konnte es sein, dass Mia schwanger war, aber so schnell? Er ging zu Mia ins Bad. Sie wusch sich gerade das Gesicht. „hey geht’s wieder?“ fragte Lauri leise. Mia nickte „ich denke schon…“ „Kann es sein…. Kann es sein, dass du schwanger bist?“ Lauri musste die Frage einfach loswerden. Dieser Gedanke war Mia auch schon gekommen, aber sie konnte es sich nicht vorstellen…. „ich weiß nicht… es war wahrscheinlich nur der Stress“ sagte sie unsicher „ja das könnte es auch sein…“ stimmte Lauri ihr zu und beide gesellten sich wieder zu Jonas.

„du solltest morgen mal zum Arzt gehen und dich durchchecken lassen!“ schlug Jonas sofort vor, nachdem er sich nach Mias Zustand erkundigt hatte. „Genau! Das finde ich auch“ Lauri sah Mia bittend an. „Okay okay“ gab diese dann nach.

Am nächsten Tag wartete Lauri ungeduldig im Wartezimmer. Er hatte nicht mit in das Untersuchungszimmer gedurft und so musste er draußen warten. Was machen die denn so lange?? Dachte Lauri nervös. Vielleicht hätte ihn Jonas etwas beruhigen können, aber er musste leider arbeiten.

„Herr Ylönen? Sie können jetzt reinkommen!“ der Arzt steckte seinen Kopf ins Wartezimmer. Sofort sprang Lauri auf und lief ins Behandlungszimmer…
Dort saß Mia mit verweinten Augen und Lauri, der den totalen Schrecken bekam und im Geiste alle gefährlichen Krankheiten durchging, legte sofort beruhigend einen Arm um sie. Der Arzt, der Mias Leidensgeschichte von Geburt an kannte, beobachtete diese Geste. Er freute sich, denn er war sich sicher, dass Lauri Mia in dieser Situation nicht im Stich lassen würde…
„Also ich kann sie beruhigen. Es ist nichts Ernstes wie ich erst befürchtet hatte! Ihre Freundin erwartet schlicht und einfach ein Kind!“ klärte der Arzt Lauri nach unendlichen Minuten auf. Lauri strahlte Mia an, sprang auf, riss sie mit sich und wirbelte sie glücklich in der Luft herum. „Wir bekommen ein Baby!!!“ rief er überglücklich. Mia lachte. Sogleich wusste sie jedoch, dass es nun umso dringender war, das Problem aus der Welt zu schaffen. Am besten gleich heute Abend….

Doch diesen Abend wurde nichts aus ihrem Vorhaben mit dem Meister zu sprechen, denn Jonas und Lauri ließen sie keine Sekunde aus den Augen und schmiedeten bei einer Flasche Wein Pläne für die Zukunft.
Den Meister hatten sie im Gegensatz zu Mia erfolgreich aus ihren Gedanken verdrängt. Um kurz nach 22 Uhr musste Mia aus Langeweile gähnen. Sie hatte sich nicht an dem Gespräch beteiligt und hatte amüsiert zugehört. Sofort schlug Lauri vor schlafen zu gehen und obwohl Mia noch nicht wirklich müde war, folgte sie Lauri in ihr altes Zimmer, denn sie fand seine Fürsorge zu süß, so dass sie ihm nicht widersprechen konnte.
Wenn Jonas Gäste hatte, was sehr selten vorkam seit Mias überstürzter Abreise, mussten die Gäste immer auf dem Sofa oder woanders schlafen, denn Mias Zimmer, wo ja eigentlich Platz für ein Gästezimmer wäre, war für die Gäste tabu. Insgeheim hatten seine Freunde ihn einen Trottel genannt und hatten sich über seinen Glauben an Mias Rückkehr lustig gemacht, aber er hatte nie daran gezweifelt.

Natürlich hatte es auch bei ihm Zeiten gegeben, in denen er sicher war, dass sie tot wäre und allein gelassen in der großen Welt auf einem Friedhof ruhte, dessen Standort er noch nicht einmal kannte. Diese Ungewissheit hätte ihn fast zerstört. An solchen Tagen wäre er am liebsten gestorben und in seinen Selbstvorwürfen und Selbstmitleid ertrunken. Doch jedes Mal hatte er sich mühsam aufgerappelt und es hatte sich gelohnt. Glücklich sah er das Sofa an, auf dem seine Schwester eben noch mit Lauri gesessen hatte. Seine Gefühlsduseligkeit kam ihm albern vor, aber es war so schön zu wissen, dass Mia wie früher nebenan war. Ja und dann war da noch Lauri. Er machte sie glücklich. Das konnte er an diesem Funkeln in ihren Augen erkennen. Leider merkte er aber auch, dass sich immer ein Schatten über die glänzenden Augen legte, wenn sich Mia unbeobachtet fühlte. Er wusste, dass es mit dem Meister zusammenhing. Jonas glaubte fest an die Kraft der Zeit, die das Leben seiner Schwester bestimmt wieder in sichere Bahnen lenken würde.

In all den Jahren war er sehr vorsichtig wegen dem Orden gewesen und hatte sehr zurückgezogen gelebt. War in der Dunkelheit nur selten aus dem Haus gegangen. Nie war etwas passiert - zum Glück. Auch er war müde und so machte er sich auf den Weg ins Schlafzimmer. Er brauchte den Schlaf, denn er hatte einen anstrengenden Tag gehabt. Mit einem glücklichen Lächeln, was wohl das Baby auf seinen schmalen Lippen zauberte, schlief er ein.

In Mias Zimmer langen die beiden auch schon im Bett. Lauris Hand ruhte auf Mias Bauch. „ich bin froh, dass ich dich habe!“ hauchte er in ihr Ohr. Über das schmale Gesicht huschte ein Lächeln. Lauri war das Beste, was ihr jemals passieren konnte. Er hatte sie aus dem dunklen Loch der Verzweiflung befreit und hatte ihr die schönen Seiten des Lebens gezeigt. Wie Ale dachte sie wehmütig aber dieses Mal werde ich alles anders machen und Lauri ist nicht Ale und was das Wichtigste überhaupt ist: Er liebt mich und er lebt…. Dachte Mia noch, bevor sie friedlich in seinen Armen einschlief.

Am nächsten Tag hatte Jonas frei und so beschlossen sie in der Stadt einzukaufen. Mit Mia in der Mitte schlenderten sie die stark bevölkerte Fußgängerzone entlang. Mia belächelte Lauris Begeisterung für Babysachen. Ständig kam er mit neuen Sachen an, die er ihr dann stolz vorführte. Jonas war auch nicht viel besser, denn er wühlte auch wie ein Besessener in den Kleidungsständern rum. Mia hingegen sah die Sache lockerer und ließ „ihre“ Männer mal machen. Jonas und Lauri präsentierten ihr gerade breit grinsend einen Plüschhasen, als ihr Lächeln plötzlich gefror und sie fassungslos an ihren Köpfen vorbeistarrte.

Hunderte Bilder, Erinnerungen und Szenen liefen vor ihrem inneren Auge ab, als sie Matthias erblickte. Auch er erstarrte. Was machte sie hier in Deutschland? Gleichzeitig schoss ein unheimliches Glücksgefühl durch seine Adern. Sie lebte! Er musste ihr so viel erklären. Matthias hatte selbst nicht begriffen in welche Gefahr er sich begab, als er sich mit dem Meister „anfreundete“. Das er auch noch Mia mitgenommen hatte, hatte er sich nie verziehen. Er war wie erstarrt gewesen, als er realisiert hatte, was Mia bei jedem Treffen angetan wurde. Matthias wollte ihr natürlich helfen. Die Ordensmitglieder von ihr weggerissen, aber er war ein solcher Angsthase und hatte jedes Mal zugesehen. Er hätte ihr so gerne geholfen, aber wie durch einen Fluch konnte er nie einen Muskel bewegen, wenn es passierte. All die Jahre hatte er sich deswegen Vorwürfe gemacht.

Immer hatte er das nagende Gefühl, dass sie ihm nie verzeihen würde. Er würde es ihr noch nicht einmal verübeln, denn er war schließlich Schuld an ihrem Dilemma. Jeden Tag hatte er überlegt, wie er es wieder gut machen könnte. Vielleicht hatte er ja jetzt eine Gelegenheit dazu. Ja und vielleicht würde sie ihm verzeihen. Sie wusste schließlich nicht, dass er auch ausgestiegen war. Sogar kurze Zeit nach ihr. Zwar wusste er aus sicherer Quelle, dass sie viel mehr gelitten hatte als er, aber er hatte auf eine andere Weise gelitten. Sein Blick fiel auf seine rechte Hand. Es fehlte der kleine Finger. Das war einer der Preise, die er hatte zahlen müssen. Er spürte Mias Blicke auf sich. Langsam hob er den Kopf und ging zögernd auf sie zu.


Mias Muskeln lösten sich aus ihrer Erstarrung. Es war eigenartig, aber sie hatte nur am Anfang Angst vor Matthias gehabt. Sie freute sich nicht über das Wiedersehen oder ärgerte sich. Nein, das einzigste, was sie fühlte war gähnende Leere.

Wie soll ich ihr bloß sagen, dass es mir unendlich leid tut und ich für alles büßen will? Überlegte Matthias krampfhaft. Was ihm noch nicht klar geworden war, war dass er im Falle einer Versöhnung endlich seinen Seelenfrieden finden würde. Ja, man konnte sagen, dass das Unglück von Mia, dass er ja unbewusst herbeigeführt hatte, jahrelang all das Licht, was seine Seele hätte erleuchten können, gnadenlos verschluckt hatte. Selbsthass und tiefe Verzweiflung hatten ihn nie seine Ruhe und sein Gleichgewicht finden lassen. Das wollte er nun ändern.

Lauri und Jonas hatten die Szene beobachtet. Jonas hatte Matthias erkannt und die alte Wut in ihm flammte auf. Am liebsten hätte er bis zu Matthias’ letzten Atemzug auf ihn eingeprügelt, aber er beherrschte sich mühsam, denn er wusste, dass es auch ohne eine Prügelei eine große Belastung und Aufregung für Mia war.

Lauri wusste nicht, wer Matthias genau war, aber er begriff, dass dieser blasse Mann eine wichtige Rolle in der Vergangenheit seiner Freundin gespielt haben musste. Beruhigend legte er einen Arm um ihre Taille.

„Hallo Mia“ begrüßte Matthias sie unsicher.
„Hi“ antwortete Mia ohne jegliche Gefühlsregung.
„Ist… ist das dein Freund?“
„ja… das ist Lauri mein Lebensgefährte“ herausfordernd reckte sie das Kinn und betonte das Wort ‚Lebensgefährte’ besonders. Lauri deutete ein Lächeln an. Er ärgerte sich maßlos darüber, dass er kein Deutsch verstand. Jonas stellte sich steif neben Mia.
„Was wollen Sie?“ knurrte er böse.

Matthias beachtete Jonas nicht und wandte sich wieder an Mia. „ich möchte mit dir reden…. Allein. Geht das?“ fragte er und versuchte seiner Stimme einen festen Klang zu verleihen, aber so richtig klappte es nicht. Mia überlegte.
„Allein? Wieso?“ fragte sie unsicher. Lauri festigte seinen Griff, denn er spürte ihre Verunsicherung.
„bitte es ist wichtig“ bettelte Matthias.
„Na gut, aber Lauri und Jonas bleiben in meiner Nähe…“ Jonas schüttelte ungläubig mit seinem Kopf, während Lauri verzweifelt versuchte, sich das Gespräch zusammenzureimen.
Matthias atmete auf. Der erste Schritt war getan. Zwar würden dieser Lauri, der aber offensichtlich kein Deutsch verstand, denn Mia redete gerade in einer anderen Sprache (finnisch) mit ihm und Jonas, der keinen Hehl aus seinem Hass zu ihm machte, mitkommen, aber allein die Chance auf ein Gespräch mit Mia lies ihn Hoffnung schöpfen.

Sie folgten ihm in ein Café. Lauri, dem Mia alles erklärt hatte, sah Matthias nun auch grimmiger an, denn er konnte ihm nicht verzeihen, dass er Mia wehgetan hatte. Er wollte sich mit Jonas mit an den Tisch setzen, aber Mia schüttelte unmerklich mit dem Kopf. Er spürte einen leichten Stich von Eifersucht, aber er setzte sich trotzdem, wenn auch etwas sauer, mit Jonas an den Tisch neben ihnen.

Mia sah Matthias auffordernd an. Wenn er keinen guten Grund für dieses Gespräch hatte, würde sie sofort weggehen. Sie wusste noch nicht einmal, warum sie ihm noch eine Chance gab. Bei einem war sie sich aber hundertprozentig sicher: Es war seine erste und letzte Chance, die er von ihr bekommen würde.
„also was willst du noch von mir?“ begann sie das Gespräch, welches sie später in tiefe Verwirrung stürzen würde.


„Ich möchte mit dir reden“ antwortete Matthias verunsichert.
„Das weiß ich, aber WORÜBER?“ kam die unwirsche Antwort von Mia zurück. Die aufmunternden Blicke vom Nachbarstisch waren ihr nicht entgangen und ihre Anwesendheit gab ihr Sicherheit und Selbstvertrauen, das sie eigentlich gar nicht hatte.
„Über damals… Mia du musst mir glauben. Ich wusste am Anfang nicht, was sie mit dir anstellen würden und als ich es begriffen habe, war ich zu… zu…“ ihm fehlte einfach das passende Wort.
„Vielleicht feige?“ Mia, die aufmerksam zugehört hatte, half ihm mit einem kühlen Unterton in der Stimme nach.
„Ja.. ich war wirklich zu feige“ Mia nickte.
„Das hat mich fast zerstört“ sagte sie leise und hielt die Luft an. Was redete sie da? Nach ihrem Wissen war Matthias immer noch im Orden und sie faselte etwas von seelischer Zerstörung.

„Über was reden die Beiden???“ fragte Lauri Jonas zum wiederholten Male auf Englisch, jedoch wurde er wie zuvor mit einer unwirschen Armbewegung abgespeist, denn Jonas hörte aufmerksam zu und wollte nicht gestört werden. Seufzend steckte sich Lauri seine dritte Zigarette an. Er hatte in letzter Zeit wesentlich weniger geraucht, aber besondere Situationen forderten besondere Maßnahmen und er inhalierte den Rauch genüsslich.

„Ich weiß, dass es dich fast zerstört hat. Das tut mir leid und…“ er wurde unterbrochen.
„Das kann dir nicht leid tun! Du bist gefühllos! Du bist ein Monster!“ zischte Mia wütend.
Sie glaubt mir nicht dachte Matthias verzweifelt.
„Mia, du musst mir glauben! Ich bin draußen! Ich bin kurz nach dir ausgetreten!“ redete er eindringlich auf Mia ein.
„Wieso sollte ich dir das glauben?“ fragte Mia äußerlich ungerührt. Ihr gesunder Menschenverstand sagte ihr, dass Matthias log, aber ihr Herz sagte, dass Matthias sie noch nie angelogen hatte. Sie befand sich eindeutig in einem heimtückischen Zwiespalt…

Matthias zog seine verstümmelte, rechte Hand, die er vorher immer sorgfältig verborgen hatte, unter dem Tisch hervor, und zeigte sie Mia. Diese sah geschockt auf die Hand. Vielleicht glaubt sie mir ja jetzt dachte Matthias und beobachtete, wie Mia geschockt auf seine Hand sah. „Wie ist das passiert?“ stammelte sie fassungslos, denn von der früheren Schönheit seiner Hand war nichts mehr zurückgeblieben.

Matthias ging nicht auf ihre Frage ein. „Glaubst du mir jetzt, dass ich draußen bin?“ fragte er ruhig. Den Finger hat er bestimmt nicht sich selber abgeschlagen dachte Mia und fing an, ihm zu glauben „War das der Meister?“ fragte sie. Matthias, der merkte, dass sie ihm nun Glauben schenkte, nickte. „Er wollte mich bestrafen, weil ich auch aus den Orden austreten wollte. Außerdem hat er, psychisch krank wie er ist, geglaubt, dass ich wüsste, wo du zu dem Zeitpunkt gewohnt hast und er war der festen Überzeugung, dass du mir vorher eingeredet hättest auch auszutreten.“ Erzählte er leise. „Aber das stimmt doch nicht!“ entfuhr es Mia.
„Ich weiß, dass es nicht stimmt! Du hast nie versucht mich zu irgendwas zu überreden, im Gegensatz zu mir, aber er hasst dich, Mia! Er hasst dich aus tiefstem Herzen und gibt dir die Schuld daran, dass der Orden auseinander bricht!“ Mia sah ihn verständnislos an.



„Wie meinst du das?“ fragte sie.
„Nachdem du ausgetreten bist und der Meister dich nicht finden konnte, sind viele, die begriffen hatten, wie irre und krank die Rituale sind, ausgetreten, weil sie glaubten, dass sie wie du den Ausstieg schaffen würden und ein normales Leben führen könnten! Du bist unter den Aussteigern eine Art Symbol für die Freiheit, Mia! dafür hasst er dich!“

Ein normales Leben?! Mia schüttelte den Kopf. Ein normales Leben hatte sie sehr lange nicht führen können.
„Mia, der Meister wird nicht eher Ruhe geben, bis er dich kaputt gemacht hat!“ sagte Matthias eindringlich. „er will sich rächen! Verstehst du?“
Mia sah ihn aus leeren Augen an und begriff, dass er leider Recht hatte. Sie sah zu Lauri und Jonas hinüber und dachte an das ungeborene Kind. Ein schwaches Leuchten kehrte in ihrem Blick zurück, jedoch traten ihr Tränen in die Augen und sie ließen das Leuchten, so schnell wie es gekommen war, wie eine Wolke das Sonnenlicht, wieder verschwinden. Sie wandte den Kopf wieder zu Matthias, der sie mitfühlend ansah….

„Hey das wird schon“ sagte Matthias zuversichtlich.
“was soll ich tun? Ihn etwa umbringen?“ fragte Mia bitter.
„Das wäre zumindest eine Möglichkeit.“ Matthias lehnte sich mit verschränkten Armen zurück und beobachtete ihre Reaktion. Mia sah ihn entsetzt an. Einen Mord hatte sie nie in Erwägung gezogen, auch wenn sie einen Menschen so sehr hasste wie diese Person.
„Ich könnte nie einen Menschen umbringen, Matthias!“ antwortete sie mit fester und entschlossener Stimme.
„Dann sollten wir uns etwas anderes überlegen“ entgegnete ihr Gegenüber. Jonas hörte immer noch aufmerksam zu. Das Gespräch hatte, seiner Meinung nach, eine sehr interessante Wendung genommen. Er wollte es sich nicht eingestehen, aber wenn sich keine andere Lösung finden würde, würde er, Jonas, noch mal über Matthias’ Vorschlag nachdenken. Wie hart es auch klang, es war immer noch die sicherste und endgültigste Lösung des Problems. Jedoch hoffte er natürlich, dass man eine andere Lösung finden würde.

Sein Blick fiel auf Lauri, der schon wieder rauchte. Jonas schüttelte mit dem Kopf, denn er konnte nicht verstehen, wie sich ein Mensch freiwillig seine Lunge versauen konnte. Ein Grinsen huschte über sein Gesicht, als er sah, dass Lauri permanent die Asche seiner Zigarette auf seine Hose fallen lies, denn sein Blick galt allein Mia. Jonas konzentrierte sich ebenfalls wieder auf den Nachbarstisch, als das Gespräch weiter ging.

"Wieso sagst du WIR?" fragte Mia verwirrt. Warum hatte Matthias dann müssen WIR uns etwas anderes überlegen gesagt?
"Ist mir so rausgerutscht" murmelte Matthias verlegen. Tatsache war allerdings, dass er sich durchaus ein 'wir' vorstellen könnte.

Dies schien auch Mia durch den Kopf zu gehen, denn sie sagte mit eindringlicher Stimme: "es gibt kein wir und es wird auch keins mehr geben" Matthias sah ihr für wenige Sekunden in die Augen und nickte dann. "Verstehe" antwortete er knapp "fällt dir eine andere Lösung ein?" fragte er, um das Thema zu wechseln.

"Vielleicht Geld?" schlug Mia unsicher vor. "Geld wird er nicht haben wollen" antwortete Matthias knapp.
"Fällt dir vielleicht noch etwas ein?" fragte Mia und in ihrer Stimme schwang eine Spur von Verzweiflung mit, die Lauri, obwohl er kein Deutsch verstand, ein Frösteln über den Rücken jagte. Matthias schüttelte den Kopf. Ihm fiel wirklich nichts mehr ein und er wollte sich nicht den Kopf für ein Problem zerbrechen, für das er vor 10 Minuten schon eine Lösung gefunden hatte. Wenn Mia es nicht tun konnte, würde er es tun. Sein Entschluss stand fest.

Mia vergrub ihr Gesicht in den Händen. Sie war mit den Nerven fertig und sie wusste, dass sie später am Abend rasende Kopfschmerzen haben würde. Jonas und Lauri fanden auch, dass es für heute reichte und standen auf.

"Ich glaube, für heute habt ihr genug geredet" sagte Jonas kühl zu Matthias, wobei er 'geredet' besonders betonte. Matthias zuckte nur mit seinen Schultern. "Danke, dass du mir eine Chance gegeben hast, Mia" sagte er leise zu ihr, nickte Jonas und Lauri höflich zu, bezahlte und verschwand so schnell wie er im Kaufhaus aufgetaucht war.

Mia stand langsam auf. Ihr Gesicht wirkte angespannt und müde. Ein zaghaftes Lächeln huschte über ihre Lippen. Sie ging als erstes durch die Eingangstür und als sie alle auf den Gehweg standen und die Kälte spürten, suchte ihre Hand automatisch die von Lauri, der die Geste glücklich erwiderte.

Langsam gingen sie nach Hause. Obwohl Jonas auf Matthias zu sprechen kam, schwieg Mia die ganze Zeit beharrlich. Lauri und Jonas warfen sich einen ratlosen Blick zu und zuckten mit den Schultern. Mia würde schon reden, wenn die Zeit gekommen war. Im Moment sah es aus, als ob sie sehr weit weg sei….

Das stimmte in der Tat, denn Mia ließ sich das Gespräch noch einmal durch den Kopf gehen. Sie war über seinen Vorschlag den Meister umzubringen entsetzt. Das konnte er doch nicht ernst meinen! Ein Teil von ihr wusste allerdings schon, dass er es todernst gemeint hatte, denn ihr war der eigenartige Ausdruck in seinen Augen nicht entgangen. Was hatte dieser Blick zu bedeuten? Mia schüttelte verwirrt den Kopf. Ich sollte lieber eine andere Lösung finden und nicht über einen Mord, der noch nicht mal begangen wurde, nachdenken dachte sie sauer und kuschelte sich näher an Lauri. Ihr wurde schlagartig bewusst, was sie alles verlieren würde, wenn der Meister sie bestrafen würde. Würde er sie töten? Ein Schauer der Angst lief ihr den eiskalten Rücken hinunter. Sie wollte Jonas und Lauri nicht verlieren. Nie wieder. Wenn es gar nicht anders geht, muss ich ihn umbringen… dachte sie verzweifelt. Was jedoch keiner wusste war, dass Matthias sich schon auf den Weg machte, um seine Idee in die Tat umzusetzen….


Müde stand Mia im Wohnzimmer vom Sofa auf. Es war halb 10 Uhr abends und sie war hundemüde. „Willst du schon schlafen?“ fragte Lauri verblüfft. Mia sah in lächelnd an und nickte. Sie wollte vor dem Einschlafen noch ein wenig über den Tag nachdenken. „Willst du mitkommen?“ Lauri überlegte kurz „Ich bin noch nicht müde, aber ich komme trotzdem kurz mit!“ antwortete er und folgte ihr aus dem Zimmer. Er konnte sie dort nach dem Gespräch fragen und einfach mal mit ihr alleine sein. Während Mia ihr großes Schlafshirt anzog, sah Lauri Mias nackte Unterarme. Er ging leise auf sie zu und fasste sie sanft an dem Handgelenk an.

Mia zuckte zusammen und sah ihm dann fragend in die Augen. Wie immer war sie von dem durchdringenden Grün überwältigt. Lauri strich leicht über ihre Narben. „Sie verblassen langsam“ sagte er leise und sah ihr ins Gesicht. „Das liegt an dir! Du hilfst mir sehr…“ antwortete Mia und man merkte, dass sie es ernst meinte. Über Lauris Gesicht huschte ein glückliches Lächeln. Obwohl es ihm schwer fiel das Gespräch in unangenehme Bahnen zu lenken, fragte er Mia nach dem Gespräch vom Nachmittag. Ihr Lächeln verschwand schlagartig. „Du musst es mir nicht erzählen, wenn du nicht willst“ murmelte Lauri sofort. Er merkte natürlich, dass Mia eigentlich nicht darüber reden wollte. Mia war jedoch klar, dass sie Lauri enttäuschen würde, wenn sie ihm nicht erzählen würde über was sie geredet hatten. Sie fasste das Gespräch zusammen. Lauri schwieg für einen Moment. Auch er war nicht gerade angetan von Matthias’ Idee. „Wir finden schon eine Lösung. Wir sind zusammen, das ist doch das Wichtigste oder?“ er sah Mia forschend an. „Genau, das ist das Wichtigste“ sagte diese leise und lehnte sich an Lauri. Als sie sich voneinander gelöst hatten, ging Mia ins Bett und Lauri schloss leise die Tür hinter sich. Er wusste, dass Mia irgendetwas sehr beschäftigte, aber er wollte heute nicht weiter bohren und bis zum nächsten Tag warten. Mit diesen Gedanken gesellte er sich wieder zu Jonas.

Mia hatte ihm tatsächlich nicht alles erzählt. Sie hatte ihm verschwiegen, dass sie Matthias’ Idee mittlerweile nicht mehr so schlimm fand wie am Anfang. Jedoch war sie entsetzt über sich selbst und sie hatte auch Angst vor Lauris Reaktion. Nach einer Weile fiel sie in einen unruhigen Schlaf und fing an zu träumen. Dieser Traum übertraf alle Träume, die sie in ihrem Leben bislang hatte….

Der Traum war schrecklich. Er führte sie zu einem See, welcher Mia seltsam bekannt vorkam. War er etwa in der Nähe von Wiesbaden? Wenn ja, dann war sie lange Zeit nicht mehr dort gewesen. Am See war alles unheimlich still, ja man könnte sagen, dass es zu still war, denn man hörte nicht einen einzigen Laut, und es war niemand zu sehen. Mia murmelte leise im Schlaf und drehte sich auf die andere Seite. Plötzlich tauchte aus dem nahe liegenden Wald ein Mann auf. Da die Kapuze seiner dicken, schwarzen Jacke tief in sein Gesicht gezogen war, konnte Mia nicht erkennen wer sich unter der Kapuze verbarg. Der Mann schaute sich unruhig in alle Richtungen um. Sein Atem ging rasselnd. Er schien auf jemanden oder etwas zu warten. „Was willst du mir zeigen?“ murmelte Mia leise und schlief weiter. Endlich kam eine zweite Person, auch ein Mann, aus der Dunkelheit. Er ging mit sicheren Schritten auf den anderen Mann zu. Auf einmal kam der Mond hinter den dunklen Wolken hervor und ein sanftes Licht fiel auf das Gesicht des eben erschienenden Mannes…

Mia keuchte erschrocken auf, als sie erkannte, wer der Mann war. Es war der Meister. Aber wer war der andere? Wieso träumte sie so wirres Zeug? Die beiden Männer stritten sich, brüllten sich offensichtlich an. Mia warf sich unruhig im Bett umher. Was sollte das? Wieso stritten sie sich? Die Umrisse des Unbekannten kamen ihr bekannt vor. „Wer bist du?“ murmelte sie immer wieder, während der Streit weiterging. Die beiden Männer wurden immer zorniger und aggressiver und der Streit eskalierte immer mehr…


Beide Männer brüllten sich an. Auf einmal hörte sie wieder das kranke, hysterische Lachen vom Meister in ihren Ohren. Verzweifelt hielt sie sich im Schlaf die Ohren zu, doch es brachte nichts. „Aufhören, aufhören“ murmelte Mia immer wieder und presste ihre Hände auf die Ohren. Vor Wut ballte der Fremde seine Fäuste zusammen, aber der Meister hörte nicht auf zu lachen, lachte eher noch lauter, noch schriller.

Der Fremde schien zu explodieren und all seine Wut entlud sich, als er sich auf den Meister stürzte.

Dieser prallte mit seinen breiten Rücken an eine stattliche Eiche, die große, unheimliche Schatten warf. Noch hatte der Meister ein überhebliches Grinsen im Gesicht, denn er wehrte sich heftig. Mia schnappte erschrocken nach Luft, als der Fremde in einer einzigen schnellen Bewegung seine Hände um den Hals seines Gegenübers legte und versuchte ihn zu erwürgen. Zum ersten Mal in ihrem Leben konnte Mia eine Spur von Angst in dem Gesicht vom Meister erkennen. Eine berauschende Genugtuung durchfuhr sie wie ein Blitz. Der Fremde drückte immer fester zu und der Meister begann bereits zu würgen und zu gurgeln. Alles ging so schnell, so dass er sich kaum wehren konnte. Durch den Sauerstoffmangel wurde er immer schwächer und Mia konnte erkennen, wie sein Gesicht blau anlief. Seine Hände versuchten verzweifelt die Augen des Fremden zu erreichen, doch er war bereits zu kraftlos und der Fremde wich ihm außerdem geschickt aus.

Der Meister verdrehte die Augen und wenig später drohten sie ihm aus den Augenhöhlen zu quellen. Mia drehte es dabei den Magen um. Langsam lockerte der Fremde seinen Griff und der Meister sacke mit weit aufgerissenen Augen, in die langsam der Tod kroch, in sich zusammen. Jetzt fing der Fremde an hysterisch zu lachen und man musste sagen, dass es sich noch schlimmer anhörte als das vom Meister, denn Mia lief es eiskalt den Rücken hinunter. Der Fremde gluckste immer noch, als die Augen kalt wurden und starr geradeaus blickten. Genau in dem Moment, in dem der Fremde seine Kapuze vom Kopf zog und sich gelassen den Schweiß von der hohen Stirn wischte, kam der Mond hinter den dunklen Wolken hervor und beleuchtete das Gesicht. Mia fuhr außer sich aus dem Schlaf hoch, „Matthias“ keuchte sie, bevor sie zu schreien und zu wimmern begann…


Lauri und Jonas sahen sich erschrocken an, als sie die Schreie hörten. Sie sprangen auf und warfen dabei die Erdnüsse, die sie gegessen hatten, auf die Erde. Jedoch achteten sie überhaupt nicht darauf, sondern stürzten in das Zimmer, denn es hörte sich einfach schrecklich an.
„Was ist los??!“ fragte Lauri panisch, während er auf Mia zustürzte. Jonas sah sich kurz im Zimmer um, denn er wollte nachsehen, ob Mias offensichtliche Panik einen materiellen Grund hatte. Er wurde jedoch von Mias erstickten Schluchzern abgelenkt, die einfach unter die Haut gingen. Jonas ging zum Bett und setzte sich auf die Kante. Mia hatte ihr Gesicht in Lauris Pulli vergraben und zitterte wie Espenlaub. „was ist los? was ist passiert?“ fragte Lauri leise und strich ihr das Haar, das ihr an der Stirn klebte, nach hinten. Mia wickelte die Decke fest um sich, als wollte sie sich vor der Außenwelt schützen. Eine Träne lief langsam ihre rechte Wange herunter. „Ich hatte einen Albtraum“ murmelte Mia. Lauri strich ihr über die Hand. „Was hast du geträumt?“ fragte Jonas leise. Er wusste genauso wie Lauri, dass es etwas wirklich Schlimmes gewesen sein musste, denn sonst wäre sie ja nicht so aufgelöst. Mias Hand klammerte sich an Lauri. Er war für sie in diesem Moment irgendwie der rettende Anker, der sie gnadenlos und brutal in der Realität hielt und nicht wieder in die Traumwelt zurück gleiten lies. Mia erzählte ihnen ihren kompletten Traum. „ER ist tot, versteht ihr? Tot!!“ zischte sie leise. Lauri und Jonas sahen sie zweifelnd an…


Lauri und Jonas starrten einen Moment vor sich hin und überlegten. „Wenn es stimmt, wäre es das Beste“ ergriff Lauri das Wort. „Für das Kind, für dich, für uns…“ fuhr er fort. Mia war immer noch sauer und sah die beiden böse an. „Mia, glaubst du nicht, dass du im Moment nicht unterscheiden kannst was Realität und Traum ist? Du hast NUR geträumt!“ Fragte Jonas leise. „Es ist aber wahr!!!“ explodierte Mia. Jonas und Lauri sahen sich ratlos an. Was sollten sie bloß tun? „Ihr glaubt mir nicht...“ murmelte Mia leise. Sie erhielt keine Antwort, auf ihre Frage, denn auch Lauri und Jonas waren unsicher, was sie glauben sollten und was nicht. „vielleicht sollten wir einfach eine Nacht darüber schlafen…“ schlug Jonas unsicher vor. Lauri nickte zustimmend. Jonas stand leise auf und ging in sein Zimmer. Als alle in ihren Betten lagen, konnte trotzdem nicht von Schlaf die Rede sein, denn alle dachten über den Traum nach. Wurden Träume nicht manchmal wahr?

Am nächsten Tag redeten sie nicht viel miteinander. Mia war sehr still und auch Lauri und Jonas waren nicht zum Scherzen aufgelegt. Alle hingen ihren eigenen Gedanken nach und sie bemühten sich nicht über die vergangene Nacht zu sprechen. Es gelang ihnen gut, aber am Abend, als sie fern sahen, holte der Traum sie von alleine ein.

„Heute Morgen wurden an einem Baggersee in der Nähe von Wiesbaden 2 männliche Leichen gefunden. Es handelt sich um den 42 jährigen Manfred M. und dem 24 jährigen Matthias B. Laut ersten Berichten der Polizei hat es in den späten Abendstunden einen Streit zwischen den beiden Toten gegeben, der dann eskalierte. Matthias B. erdrosselte erst Manfred M., bevor er sich selber erhängte.“

Mia, Lauri und Jonas starrten fassungslos den Fernseher an. „Es ist wahr“ stotterte Mia, die ihrem Traum den ganzen Tag keinen Glauben mehr geschenkt hatte. Lauri und Jonas wussten nicht, was sie sagen oder tun sollten und nickten nur mechanisch. In Lauri breitete sich langsam ein Glücksgefühl aus, denn er war sich sicher, dass sich jetzt alles zum Guten wenden würde. Mia empfand ein wenig Trauer, dass es mit Matthias so endete, aber sie war erleichtert, dass der Meister tot war. Sie drückte Lauri fest an sich und eine Träne des Glücks tropfte lautlos auf seinem Pullover.

Es endete alles an dem Ort, wo es vor Monaten seinen Anfang gefunden hatte. Lauri und Mia standen in Helsinki an Ales Grab und hielten sich glücklich an den Händen. Sie legten liebevoll Blumen nieder, denn ohne Ales Tod, hätten sie sich vielleicht nie aneinander gefunden. Die Sonne, die sich seit Tagen hinter dichten Wolken verborgen hatte, schien und wärmte die beiden. Mia küsste Lauri zärtlich und dann liefen sie lachend nach Hause. Liefen in ein neues Leben ohne Gewalt, Angst und Verzweiflung.


The End